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Museum 4.0
Mit der Brille auf den Mond

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) testet eine Virtual Reality-Brille des Deutschen Museums.
Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) testet eine Virtual Reality-Brille des Deutschen Museums. FOTO: dpa / Gregor Fischer
Berlin. Wie können Museen neue Besucher anlocken und begeistern — vor allem junge Leute? Digitale Technik soll dabei helfen.

Über den Mond spazieren, selbst den Waldboden erkunden oder die verborgenen Schichten eines Gemäldes entdecken — neue digitale Techniken sollen künftig den Museumsbesuch spannender, informativer und vergnüglicher machen. Sieben Museen aus ganz Deutschland erforschen derzeit in einem dreijährigen Modellprojekt, wie das funktionieren könnte. Jetzt stellten sie in Berlin erste Beispiele vor.

„Die beteiligten Institutionen stehen für die Vielfalt der deutschen Museumslandschaft und entwickeln gemeinsam neue digitale Produkte, um das Publikum von morgen besser erreichen zu können“, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), aus deren Etat insgesamt 15 Millionen Euro für die Arbeit zur Verfügung stehen. Die Federführung hat die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin übernommen. Die Ergebnisse sollen nach Angaben von Stiftungspräsident Hermann Parzinger am Schluss allen Museen in Deutschland und darüber hinaus frei zur Verfügung gestellt werden – zur Nutzung oder Weiterentwicklung.

Und das sind die ersten Beispiele: Das Deutsche Museum in München hat ein digitalisiertes Mondauto entwickelt, das der Besucher über eine virtuelle Mondlandschaft steuern kann. Wie Projektleiter Georg Hohmann erläuterte, wurde der Lunar Rover „bis auf die letzte Schraube genau“ mit 3D-Scans einem Nasa-Modell nachgebaut, die Mondoberfläche über einen Quadratkilometer hin originalgetreu nachgebildet. „Mit der Entwicklung von Virtual-Reality-Anwendungen haben wir die Möglichkeit, Grenzen zu sprengen und museales Wissen neu und anders zu vermitteln“, sagte er. Staatsministerin Grütters musste sich an die High-Tech-Brille mit Fernsteuerung allerdings erst gewöhnen: „Man wirkt ein bisschen wie torkelnd.“



 Ebenfalls mit virtuellen Erlebniswelten arbeiten das Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz und die Museen der schwäbisch-alemannischen Fastnacht in Baden-Württemberg. Während die einen den Waldboden mit seinen rund 250 heimischen Bodentieren und Asseln erkundbar machen, kann bei den anderen das Unesco-Kulturerbe der Fastnacht ganzjährig mit- und nacherlebt werden.

Das Deutsche Auswandererhaus Bremerhaven untersucht historische und emotionale Aspekte von Migration. In dem Ausstellungsexperiment „Kriegsgefangen. Ohnmacht. Sehnsucht 1914-1921“ werden die Besucher einmal mit originalen biografischen Objekten informiert, das andere Mal mit virtuellen Geschichten. So wollen die Macher herausfinden, wie sich Emotionen am besten vermitteln lassen.

 Auch die Berliner Kultureinrichtungen interessieren sich besonders für die Reaktionen des Publikums. Die Staatlichen Museen entwickeln sogenannte „Visitor Journeys“ (Besucherreisen), die die Interessen unterschiedlicher Nutzer vor, während und nach dem Museumsbesuch aufnehmen. Im Humboldt Forum, dem künftigen Kulturzentrum im Berliner Schloss, sollen sich die Besucher durch ein digitales Spiel ihre Lieblingsobjekte erschließen.

Wichtig ist den Machern laut Parzinger vor allem, ihre Erkenntnisse auszutauschen und voneinander zu lernen. „Ein konsequenter Gemeinschaftsgedanke ist wichtig, wenn Kultureinrichtungen in der digitalen Transformation bestehen wollen“, sagt der Stiftungspräsident.