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Serie Film der Woche
Magisch, düster oder nur umständlich?

Grindelwald
Grindelwald FOTO: Warner Bros.
Zweibrücken. Pro und Kontra zu „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ von David Yates. Von Annabelle Theobald

Sechs Jahre mussten die Fans nach dem Ende des letzten „Harry Potter“-Films warten, bis sie erneut in die magische Welt J.K. Rowlings eintauchen konnten. Mit „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ kam 2016 ein Spin-Off ins Kino, dessen Handlung als Vorgeschichte lose mit dem Potter-Universum verbunden ist. Jetzt kommt der zweite Teil ins Kino, „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“, wieder nach dem Drehbuch von J.K. Rowling.

Pro von Martin Schwickert: Der neue Film bleibt dem pulsierenden 20er-Jahre-Setting des Vorgängerwerkes treu, verlagert das Geschehen jedoch von New York nach Paris. Hier schlägt Bösewicht Grindelwald (Johnny Depp) nach seiner spektakulären Flucht aus dem US-Zauberei-Ministerium seine Zelte auf. Er will die friedliche Koexistenz zwischen Menschen und Magiern aufkündigen und strebt nach Weltherrschaft. Mit viel Detailfreude verwandelt Regisseur David Yates das digitale Paris in einen magischen Ort. Aber auch das geliebte Hogwarts wird als Location wieder entdeckt. War der erste Teil eine recht putzige Angelegenheit, weil hier der Schwerpunkt auf der Vorstellung der illustren Tierwelt lag, geht es in „Grindelwalds Verbrechen“ deutlich düsterer zu. Das Finale wird auf dem Friedhof Pèr Lachaise ausgetragen, wo sich Grindelwalds Gefolgschaft in einer finsteren Arena versammelt. Hier kommt es auch zu einigen überraschenden Enthüllungen, die sichtbar eine Handlungsbrücke zu den Folgewerken bilden sollen.

Kontra von Uwe Mies: Mit den „Phantastischen Tierwesen“ hat J.K. Rowling eine Gelddruckkampagne erfunden, die das Jonglieren mit Details zur Tugend verkauft. Der zweite Teil entpuppt sich als seelenloses Produkt für den Sofortgebrauch, maschinell erstellt nach dem Prinzip des Malens nach Zahlen. Regisseur David Yates hegt in diesem Film keine eigenen Ansprüche, er illustriert lediglich Drehbuchideen nach Wunsch der herrschenden Produzenten. Nuancierung und Tiefe gehören da nicht ins Konzept. Also haben die vielen prominenten Darstellerinnen und Darsteller wie Johnny Depp, Jude Law, Zoe Kravitz, Ezra Miller und andere nicht allzu viel zu tun. Um das Ensemble rankt sich eine umständlich erzählte Geschichte, in der die Tierwesen nicht mehr viel zu melden haben. Die Zauberer sprechen bedeutsamstief in bleischweren Dialogen, denen die Regie mit überladenen Effektszenen begegnet, die so schnell geschnitten sind, dass man kaum sieht, was gezeigt wird.



USA 2018; 134 Minuten, Regie: David Yates; Buch: J.K. Rowling; Kamera: Philippe Rousselot; Musik: James Newton Howard; Darsteller: Eddie Redmayne, Katherine Waterston, Dan Fogler, Johnny Depp, Jude Law.