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Film der Woche
Popcorn schließt ein Schwarzes Loch

 Cara Delevingne als Laureline.
Cara Delevingne als Laureline. FOTO: dpa / Vikram Gounassegarin
Berlin. Luc Besson nimmt sich mit „Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten“ eine Comicfigur vor, an die sich noch keiner herantraute.

Mit den Special Effects von „Das fünfte Element“ beeindruckte Luc Besson vor 20 Jahren Millionen Kinozuschauer. Nun sollten sich Fans auf etwas noch Größeres gefasst machen: Bei dem Weltraumabenteuer „Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten“ setzt der französische Starregisseur mehr als zehn Mal so viele Tricks ein. Herausgekommen ist erneut ein Blockbuster mit überwältigenden Bildern.

Im Kosmos der Comicverfilmungen war der Raum-Zeit-Agent Valerian bisher ein Schwarzes Loch. Noch nie hat sich einer getraut, Valerians Abenteuer ins Kino zu bringen. Gleichwohl sollen sie Vorbild für viele Motive von „Krieg der Sterne“ gewesen sein. An der erstmals 1967 in Frankreich erschienenen Figur ist so vieles eigenartig.

Allein der Name. Wer tauft seinen Science-Fiction-Helden schon nach einem Kaiser aus dem alten Rom, der im dritten Jahrhundert vom Feind gefangen genommen, als lebendiger Hocker gedemütigt, dann ermordet und gehäutet wurde? Die Comicreihe, von der über die Jahrzehnte hinweg nicht einmal zwei Dutzend Bände erschienen, hat viele hochpolitische Themen - etwa den Marxismus, die Macht der Großkonzerne und die Zerstörung unserer Umwelt – ins Visier genommen.



Man muss es klar aussprechen: All das macht Bessons „Valerian“ nicht. Stattdessen liefert der Franzose großes Popcorn-Kino ab. In den Hauptrollen: Die Jungstars Dane DeHaan („The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“) als Valerian, Cara Delevingne („Suicide Squad“) als seine Partnerin Laureline und Popstar Rihanna als sexy Formwandlerin.

Es ist ein behutsamer Abschied von der Welt, wie wir sie kennen. Besson folgt der Internationalen Weltraumstation ISS in eine sehr ferne Zukunft. Zu David Bowies „Space Oddity“ werden dort die Besucher von Handschlag zu Handschlag immer fremdartiger, bis der Kommandant irgendwann nur noch in eine glibbrige Alienklaue greifen kann. Im 28. Jahrhundert ist die Station über der Erde schon so gefährlich groß gewuchert, dass sie den Orbit verlassen muss.

Anfangs ahnen der angeberische Frauenheld und Chaot Valerian und die unterkühlte Begleiterin nichts von dem Ausmaß des dunklen Komplotts, das über ihnen schwebt. Wenn zwischen den beiden Agenten gerade einmal nicht die Erotik knistert, dann prügeln, schießen, rennen sie ununterbrochen. Gänge, Kanäle und Verzweigungen scheinen unendlich zu sein - weniger eine Raumstation, eher ein galaktischer Termitenbau.

Unterwegs treffen die Helden in diesem bildgewaltigen und actionlastigen Opus auf die absurdesten Monster, die ihnen mal an ihr Geld, mal an ihre Leben wollen.  Etwa 900 Leute haben allein an den Special Effects gearbeitet – man sieht, dass hier die Crème de la Crème am Werke war. Besson engagierte sowohl Tricktechniker der „Star Wars“-Kinoreihe als auch jene der „Herr der Ringe“-Saga. Zusammen schufen sie 2734 Einstellungen mit Special Effects. Zum Vergleich: In „Das Fünfte Element“ waren es noch 188 gewesen, wie Besson der dpa erzählte. Obwohl die Geschichte hinter den bombastischen Effekten eher etwas dünn ist, werden wohl viele diesen Film mögen, auch aus der eher kleinen Gemeinde der „Valerian“-Leser.

(dpa)