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Film der Woche
Pointen mit Ansage

Angesagter Innenarchitekt mit Provinz-Vergangenheit: Valentin D., gespielt von Regisseur Dany Boon, mit seiner Freundin Constance Brandt (Laurence Arné).
Angesagter Innenarchitekt mit Provinz-Vergangenheit: Valentin D., gespielt von Regisseur Dany Boon, mit seiner Freundin Constance Brandt (Laurence Arné). FOTO: Concorde
Paris. „Die Sch’tis in Paris“ von Dany Boon ist eine Komödie von narkotisierender Einfältigkeit. Von Martin Schwickert

20,3 Millionen Zuschauer in Frankreich und 2,3 Millionen in Deutschland – an die Einspielergebnisse von Dany Boons „Willkommen bei den Sch‘tis“ aus dem Jahre 2008 kamen selbst die jüngeren Erfolgskomödien „Ziemliche beste Freunde“ und „Monsieur Claude und seine Töchter“ nicht heran. Nach zehn Jahren greift Dany Boon nun mit „Die Scht‘is in Paris“ auf seine alte Marke zurück.

Boon spielt selbst den angesagten Pariser Innenarchitekten Valentin, der gemeinsam mit seiner Frau Constance (Laurence Arné) die bekloppten Hauptstädter mit dreibeinigen Stühlen und tonnenschweren Steintischen beglückt. In Interviews erzählt Valentin, dass sich seine Kreativität aus der eigenen Waisenkind-Vergangenheit speist, dabei ist seine Familie quicklebendig und führt zudem im nordfranzösischen Hinterland ein recht proletarisches Dasein. Der Schwindel droht aufzufliegen, als sich die bucklige Verwandtschaft zur Werkschau des gefeierten Designers einlädt.

Die Stereotypen und kulturellen Kontraste sind vorgezeichnet: Hier die versnobte Kunstszene, dort die Tölpel vom Land. Aber noch bevor die Konflikte richtig ausgetragen werden können, wird Valentin von einen Auto angefahren und leidet danach unter einer regionalspezifischen Amnesie: Er hat all seine Pariser Etikette vergessen und ist auf den geistigen Zustand eines 17-jährigen nordfranzösischen Provinzjungen zurückgefallen. Es kommt zu Verwicklungen und moderaten Turbulenzen von erschreckender Überschaubarkeit. Jede Pointe trabt von Weitem gut sichtbar heran. Jede Plotwendung wird sorgfältig ausgeschildert und hin zu einem versöhnlichen Finale geführt, bei dem sich Stadt- und Landbevölkerung in den Armen liegen. Heraus kommt eine Komödie von narkotisierender Einfältigkeit.



Frankreich 2018, Regie und Buch: Dany Boon; Kamera: Denis Rouden; Musik: Maxime Desprez, Michael Tordjman; Darsteller: Dany Boon, Laurence Arné, Valérie Bonneton, Line Renaud, Pierre Richard, François Berléand, Guy Lecluyse.