| 21:20 Uhr

Debatte über Bedeutung der Rechtschreibung
Philologen kontern Aussage Winfried Kretschmanns

Berlin/Stuttgart. Baden-Württembergischer Ministerpräsident findet: Rechtschreibung ist heute nicht mehr so wichtig.

(kna) Experten widersprechen der Äußerung von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), Rechtschreibunterricht sei nicht mehr so wichtig wie früher.

Es könne „nur im Eigeninteresse jedes Einzelnen sein, richtiges Schreiben zu beherrschen“, sagte die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Susanne Lin-Klitzing, dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. „Die Schule ist die gesellschaftliche Instanz, die dies vermittelt und vermitteln muss.“

Lin-Klitzing kritisierte weiter: „Wir werden zu lasch im schulischen Umgang mit Rechtschreibung.“ Die Chefin des Philologenverbandes fügte hinzu: „Ich signalisiere: Rechtschreibung ist uns nicht egal. Deshalb plädiere ich dafür, auch Abiturienten eine ganze Note abziehen zu können bei schwerwiegenden Verstößen gegen die Rechtschreibung.“ Das sei bisher nicht der Fall: „Die Kultusministerkonferenz sollte wieder den Anreiz setzen, richtig zu schreiben.“



Die Autokorrektur reiche eben nicht, so Lin-Klitzing weiter, „weil der Computer nicht jeden Fehler ausmerzt, geschweige denn richtige Kommas setzt, um Sinnzusammenhänge und Zusammenhänge zwischen Neben- und Hauptsätzen zu verdeutlichen“.

Der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, sagte, er sei „immer wieder erstaunt, mit welcher Leichtfertigkeit Politiker“ sich zu bildungspolitischen Grundsatzfragen äußerten. Auch das „Grundgerüst an Rechtschreibkenntnissen“ müsse erst einmal erworben werden.

Kretschmann hatte in einem Interview gesagt, jeder Mensch brauche zwar ein Grundgerüst an Rechtschreibkenntnissen, doch „die Bedeutung, Rechtschreibung zu pauken, nimmt ab, weil wir heute ja nur noch selten handschriftlich schreiben“. Zudem gebe es heute „kluge Geräte“, die Grammatik und Fehler korrigieren könnten. Rechtschreibung gehöre aus seiner Sicht nicht zu den gravierenden Problemen der Bildungspolitik.

(kna)