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Ausstellung in Herxheim
Pfälzer Museum zeigt „Krimi“ aus der Jungsteinzeit

Herxheim. Dutzende Menschen kamen auf dem heutigen Gebiet von Talheim bei Heilbronn (Baden-Württemberg) vor rund 7000 Jahren gewaltsam zu Tode. Schlaglichtartig beleuchten die Skelettfunde von 1983 eine Situation in der Jungsteinzeit.

„Ging es um Weideland, um Frauenraub, um eine Hungersnot oder um Spannungen zwischen Familien? Der Grund für den Streit ist unklar“, sagt Lhilydd Frank, Leiterin des Museums im südpfälzischen Herxheim. Dort ist der „Kriminalfall“, aufbereitet von den Städtischen Museen Heilbronn und dem Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart jetzt bis zum 19. Juli als Ausstellung zu sehen.

„Eine Dorfgemeinschaft wurde überfallen und erschlagen und danach die Skelette in einer Grube vergraben“, sagt Frank. „Der mögliche Tathergang wurde rekonstruiert und ist in Filmsequenzen und auf Informationstafeln zu sehen.“ Durch die Verletzungen seien vor allem Schläge von hinten rechts rekonstruierbar. „Das weist darauf hin, dass die Angreifer oder Angreiferinnen die Menschen der Dorfgemeinschaft überrascht oder auf der Flucht getötet haben.“

Wenn es um Gewalt in der Jungsteinzeit geht, werden Talheim und Herxheim häufig gemeinsam genannt, weil 1996 in der Südpfalz Überreste eines Rituals mit bis zu 1000 Opfern gefunden wurden. „Die Fälle sind aber sehr unterschiedlich“, betont die Museumsleiterin.



Die Ausstellung „Tatort Talheim“ will nicht schockieren, sondern aufklären. „Archäologische Rekonstruktionen wie Hüte und Sandalen aus Flechtwerk und Gefäße aus Rinde geben einen Einblick in den damaligen Alltag“, betont Frank. Die Ausstellung zeigt Forschungsergebnisse und dokumentiert die Arbeitsweise etwa von Gerichtsmedizinern und Archäologen. Den Organisatoren zufolge wagt sie den ersten Versuch, unter anderem mit filmischen Mitteln und in Skizzen den Tathergang zu rekonstruieren. Die Ausstellung gibt den Opfern eine Gestalt. Die Forscher hoffen, auch einmal mehr über Täter und Motiv zu erfahren.