| 22:13 Uhr

Mettlacher Kammermusiktage
Pastos passt: Das Rivinius-Quartett in Mettlach

Die aus Bous stammenden Rivinius-Brüder von links nach rechts: Siegfried (57), Benjamin (42), Paul (48) und Gustav (53).
Die aus Bous stammenden Rivinius-Brüder von links nach rechts: Siegfried (57), Benjamin (42), Paul (48) und Gustav (53). FOTO: Musik & Theater Saar
Mettlach. Das Rivinius-Klavier-Quartett ist regelmäßiger Gast bei den Kammermusiktagen in Mettlach. Die vier Brüder aus Bous bringen musikalisch-musikantische Qualitäten ins Ensemble ein, die sich hören lassen können. Von Helmut Fackler

Paul, der pianistische Allrounder, setzte die virtuosen und dynamischen Akzente. Siegfried mit schlankem Violin-Ton und zurückhaltendem Impetus krönte den insgesamt dunkel gefärbten Ensembleklang mit Lichtern. Benjamin strich satt, kraftvoll und durchsetzungsfähig die Bratsche und Gustav füllte vornehm und grundtönig das dunkle Volumen.

Am Sonntag kam dies dem pastos gesetzten Quartett c-moll von Vitezslav Novák zugute, ein eher schwerblütiges, tschechisch-folkloristisch inspiriertes Werk, das nach Antonín Dvoráks Vorbild von Spannung und Entspannung lebt. Der in Saarbrücken geborene Tzvi Avni ist heute ein renommierter Komponist in Israel. In Avnis „Beyond the curtain“ (1979) sind die Streicher mit ausgedehnten Solo-Aufgaben in einer Tonsprache gefordert, die auch jüdische Musik in den Gestus des 20. Jahrhunderts übersetzt. Variationen von Klangfarben, Temperamenten und musikalischen Versatzstücken sind anspruchsvolle Aufgaben, die vom Quartett vorzüglich gelöst wurden. Zurück in gewohnte Hörgefilde führte das A-Dur-Quartett von Brahms. Seine sinfonischen Ausmaße erfordern höchste Konzentration, auch wenn Vieles recht gefällig und konfliktarm erscheint. Doch die motivisch-thematischen Verflechtungen sind kunstvoll gewoben, die emotionalen Steigerungen signifikant.

Die vier Brüder legten ihr ganzes Musikanten-Herz in eine stringente Interpretation, die von einem furiosen Finale gekrönt wurde. Als Zugabe erleichterte und entspannte „Humoreskes“ im Salon-Stil – die hochsommerliche Temperatur im Saal hatte das Äußerste von Musikern und Publikum gefordert. Bravo.