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| 23:41 Uhr

Lyrik oder Sexismus?
Nora Gomringer verteidigt Gedicht ihres Vaters

Die Lyrikerin Nora Gomringer erhielt 2011 den Grimm-Preis.
Die Lyrikerin Nora Gomringer erhielt 2011 den Grimm-Preis. FOTO: David Ebener / dpa
Berlin. Im Streit um den Umgang mit dem als sexistisch kritisierten Gedicht von Eugen Gomringer (wir haben berichtet) hat die Tochter des Schriftstellers das Werk verteidigt. „Ich habe ‚avenidas‘ immer theologisch gelesen – als einen Dank an Gott“, sagte die Autorin und Germanistin Nora Gomringer der „Berliner Zeitung“. Zugleich übte die 1980 in Neunkirchen geborene Autorin Kritik an der geplanten Übermalung des Gedichtes ihres Vaters.

Im Streit um den Umgang mit dem als sexistisch kritisierten Gedicht von Eugen Gomringer (wir haben berichtet) hat die Tochter des Schriftstellers das Werk verteidigt. „Ich habe ‚avenidas‘ immer theologisch gelesen – als einen Dank an Gott“, sagte die Autorin und Germanistin Nora Gomringer der „Berliner Zeitung“. Zugleich übte die 1980 in Neunkirchen geborene Autorin Kritik an der geplanten Übermalung des Gedichtes ihres Vaters.

Der Bezug zur Religion sei den Gedicht-Kritikerinnen aber wahrscheinlich „auch wieder lästig“, sagte Gomringer: „Ich glaube, der ganze Streit um das Gedicht ist letztlich eine gewalttätige Absage an die Religion, an die Existenz Gottes in der irdischen Wirklichkeit.“ Vordergründig werde mit dem Streit um das Gedicht ein Geschlechterkampf ausgetragen.

Das Gedicht „avenidas“ ziert seit 2011 die Alice Salomon Hochschule in Berlin. Es lautet übersetzt: „Alleen / Alleen und Blumen / Blumen / Blumen und Frauen / Alleen / Alleen und Frauen / Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer“.

Studierende der Fachhochschule hatten eingewandt, das Werk reproduziere eine „klassische patriarchale Kunsttradition, in der Frauen ausschließlich die schönen Musen sind, die männliche Künstler zu kreativen Taten inspirieren“. Zudem erinnerten die Verse „unangenehm an sexuelle Belästigung“. Der Senat der Hochschule beschloss daraufhin, das Gedicht übermalen zu lassen und im Herbst durch Verse der Dichterin Barbara Köhler zu ersetzen.

Diese Entscheidung hatte teils heftige Kritik ausgelöst. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) bezeichnete sie als „erschreckenden Akt der Kulturbarbarei“.