| 23:15 Uhr

Salzburger Festspiele
Musikalische Sternstunde

Brillierte als Salome: die Sopranistin Asmik Grigorian.
Brillierte als Salome: die Sopranistin Asmik Grigorian. FOTO: dpa / Barbara Gindl
Salzburg. Bei den Salzburger Festspielen hatten „Salome“ und „Die Zauberflöte“ Premiere.

Das Opernprogramm der Salzburger Festspiele ist am Wochenende mit zwei stilistisch gegensätzlichen Neuinszenierungen eröffnet worden: Wolfgang Amadeus Mozarts „Zauberflöte“ präsentiert die US-Regisseurin Lydia Steier am Freitagabend im Großen Festspielhaus als pralles Ausstattungstheater. Dagegen steht tags drauf in der Felsenreitschule die gewohnt rätsel- und zeichenhafte Deutung der „Salome“ von Richard Strauss durch den international gefeierten italienischen Bühnenkünstler Romeo Castellucci. Ein echter Wurf gelingt keinem von beiden.

Für die „Zauberflöte“ hatte Steier eine Rahmenhandlung ersonnen, in der Klaus Maria Brandauer (für den erkrankten Bruno Ganz) einen Großvater im Ohrensessel verkörperte, der seinen Enkeln (die Wiener Sängerknaben) ein Märchen erzählt. Im Laufe der Oper wandelt sich die Setzkastenbühne in eine riesige Maschine wie aus Chaplins „Moderne Zeiten“. Musikalisch bleiben viele Wünsche offen. Einzig Christiane Karg als Pamina überzeugt mit ihrem schlanken Sopran. Hin und her gerissen zwischen arg forcierten und betont langsamen Tempi gelingt dem griechischen Dirigenten Constantinos Carydis keine eigenständige Deutung von Mozarts Partitur.

Die Neuinszenierung der „Salome“ ist dagegen zumindest musikalisch eine Sternstunde. Umwerfend ist die litauische Sopranistin Asmik Grigorian in der Titelrolle der judäischen Prinzessin, deren Liebe zum asketischen Propheten Jochanaan zurückgewiesen wird. Aus Rache fordert sie von Stiefvater Herodes dessen Kopf. Auch die Rollen des Herodes (John Daszak), des Jochanaan (Gábor Bretz) und der Herodias (Anna Maria Chiuri) sind festspielwürdig besetzt. Der österreichische Dirigent Franz Welser-Möst führt die Wiener Philharmoniker mit viel Sinn für Farbe durch die Partitur. Regisseur Romeo Castellucci versuchte, die archaische Wucht der Musik mit seinen gewohnt rätselhaften Bühneninstallationen zu übertreffen, was nur teilweise gelang. Den berühmten Schleiertanz der Salome strich er. Stattdessen lässt er sie versteinern. Jochanaan wiederum verwandelte er in ein lebendiges Pferd, dessen abgeschlagener (Kunst-) Kopf später den Torso des Propheten komplettiert.