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Literatur
Die Heimat der später gelben Hefte

Ein emailliertes Werbeschild der „Philipp Reclam Universal-Bibliothek“ von 1905 im Reclam-Museum in Leipzig.
Ein emailliertes Werbeschild der „Philipp Reclam Universal-Bibliothek“ von 1905 im Reclam-Museum in Leipzig. FOTO: dpa / Hendrik Schmidt
Leipzig. Das Reclam-Museum öffnet morgen in Leipzig – was gibt es zu sehen?

Das älteste gedruckte Heft der Universalbibliothek und ein Bücherautomat gehören zu den Attraktionen des Reclam-Museums, das morgen in Leipzig öffnet. Mehr als 10 000 Hefte der Leipziger und Stuttgarter Produktion seien zu sehen, teilte das Museum gestern mit. „Der Reclam-Verlag ist tief im kulturellen Gedächtnis der Stadt Leipzig verankert“, sagte der Vorsitzende des Literarischen Museums und Initiator der Ausstellung, Hans-Jochen Marquardt. In deren Mittelpunkt stehe „Reclams Universal-Bibliothek“ als älteste noch existierende deutschsprachige Taschenbuchreihe.

 Als erstes Heft sei am 10. November 1876 Goethes „Faust. Der Tragödie erster Teil“, erschienen, sagte Marquardt, der seit mehr als 50 Jahren Hefte aus der Bibliothek sammelt. „Mich hat fasziniert, wie Literatur für wenig Geld weiten Teilen der Bevölkerung zugänglich gemacht wurde.“ Das erste edierte Heft sei jedoch nicht das erstgedruckte der Reihe gewesen, erläuterte Marquardt. Bereits im März 1865 sei „Romeo und Julie“ von W. Shakespeare – so das Titelblatt der damalige Ausgabe – gedruckt worden. Ein Blickfang der Schau ist der Nachbau eines Reclam-Bücherautomaten – eine Dauer­leihgabe des Verlages Philipp Reclam jun. Stuttgart. Sie wurden vor allem 1912 bis 1917 unter anderem in Bahnhöfen und Krankenhäusern aufgestellt. Man konnte dabei zwischen zwölf Titeln wählen.

Der Reclam-Verlag wurde 1828 in Leipzig von Anton Philipp Reclam gegründet. Der westdeutsche Zweig entstand 1947 in Stuttgart. Im März 2006 wurde das frühere Stammhaus in Leipzig geschlossen.