| 22:01 Uhr

Konzert in der Saarlandhalle
Ein fulminanter und lustiger Abend mit Max Raabe

 Max Raabe, wie ihn das Publikum kennt und liebt: Elegant gekleidet, distinguiert – und dennoch den Schalk im Nacken.
Max Raabe, wie ihn das Publikum kennt und liebt: Elegant gekleidet, distinguiert – und dennoch den Schalk im Nacken. FOTO: dpa / Kay Nietfeld
Saarbrücken. Von Sebastian Dingler

Solch eine Perfektion! Das ist es, was einem während des Max Raabe-Konzerts in der Saarlandhalle am häufigsten durch den Kopf geht. Sei es die herrlich knödelnde Stimme des Sängers mit ihrem riesigen Tonumfang, seien es die hervorragenden Musiker, die teils zwei, drei oder vier Instrumente beherrschen, oder seien es diese sagenhaften Arrangements, die immer wieder Neues bieten, andere Klangfarben, witzigen Wendungen  – die 1300 Zuhörer werden überschüttet mit Ideenreichtum und musikalischer Finesse.

Rainer Fox greift in den ersten Stücken mehrfach zum Bass-Saxofon, dessen Einwürfe werden von einem Marimbafon gekontert. Später kommen Ukulele, Mandoline und Akkordeon zum Einsatz, oder eine Melodie wird mit verschieden gestimmten Glöckchen geläutet. Werden drei Streicher gebraucht, gesellen sich Gitarrist Uli Hoffmeier an der zweiten Geige und Posaunist Jörg Ranke (Bratsche) zur hübschen Geigerin Cecilia Crisafulli. Allein die Musik würde für ein unterhaltsames Konzert sorgen.

Und sie enthält auch schon ein bisschen von dem Humor, der den Abend rund macht: In den Ansagen, den Texten und der Darbietung kommt das Augenzwinkern voll zum Tragen. Einmal sinniert Raabe, distinguiert wie immer, über Männer und Frauen, die einfach nicht zueinander passten, man sehe das doch schon an den getrennten Bereichen in Kaufhäusern. „Am Ende ist es aber so wie bei der Mülltrennung: Es landet doch alles auf einem Haufen.“ Oder er singt in „Du bist viel zu schön für einen Mann allein“: „Ich schätze deinen Mann, ich glaub, dass du das weißt / doch schätz´ ich ihn noch mehr, wenn er mal verreist.“ Man könnte den frivolen Text bei den wunderbaren Stücken der Zwanziger und Dreißiger verorten, die Raabe so gerne interpretiert. In diesem Falle waren aber Achim Hagemann und er selbst für Text und Musik zuständig.



An Klassikern mangelt es dennoch nicht im Repertoire: Gassenhauer wie „Wenn die Elisabeth nicht so schöne Beine hätt’“, „Ich küsse ihre Hand, Madame“ oder „Ich wollt’, ich wär’ ein Huhn“ kommen ebenso zu Gehör wie vergessene, von Raabe ausgegrabene Stücke: „Du stehst nicht im Adressbuch“ etwa, oder „Dort tanzt Lulu“, zwei augenzwinkernde Liebeslieder.

Mit dem eigenen großen Hit, „Kein Schwein ruft mich an“ eröffnet der 56-jährige den zweiten Teil. Den Song lässt er um die ganze Welt reisen mit einer italienischen, russischen, chinesischen und amerikanischen Version. Orientalisch wird es mit dem märchenhaften Arrangement für „Salome“, einem Schlager von 1920.

Dann ist auch schon Schluss, die Zeit ist wie im Nu verflogen. Selbstverständlich gewährt das Palastorchester Zugaben, darunter natürlich auch der „kleine grüne Kaktus“. Es gibt stehende Ovationen, und so kehrt die fabelhafte Truppe noch einmal zurück. Zur Gitarrenbegleitung singen alle im Chor die spanische Serenade „Donna Maria“ – besinnlicher Ausklang eines fulminanten Konzerts.