| 21:20 Uhr

Als Queen im Ludwigspark Saarbrücken spielten
„Die Amis hinter uns haben so seltsames Zeug geraucht“

 Freddie Mercury, der begnadete Entertainer von Queen.
Freddie Mercury, der begnadete Entertainer von Queen. FOTO: Hartung
Saarbrücken . Ein nostalgischer Blick zurück: Vor 40 Jahren spielte Queen beim Open-Air-Festival im Saarbrücker Ludwigspark. Von Sebastian Dingler

50 Jahre Woodstock wurde gerade überall gefeiert – aber auch im Saarland kann man das Jubiläum eines legendären Open-Air-Festivals begegehen, wie es hier vergleichbar nie mehr stattfand. Nicht nur weil Freddie Mercury, Rory Gallagher und Alvin Lee schon lange nicht mehr leben: So ein Line-up wäre heute im Saarland nicht mehr vorstellbar: Queen, The Commodores, dazu die oben genannten Rockgitarristen und ein paar weniger bekannte Bands wie Molly Hatchett oder Lake. Damals, vor 40 Jahren, ging das. Da wurden öfters Fußballstadien zu Tempeln der Rockmusik.

35 000 Zuschauer zählte das zweite große Festival im Saarbrücker Ludwigsparkstadion, nachdem im Jahr zuvor schon Frank Zappa, Genesis und Joan Baez zehntausende angelockt hatten. Zeitzeugen wie der Saarbrücker Frank Schmidt, damals 15 Jahre alt, erinnern sich auch noch an die Bands, die das Festival nachmittags einläuteten: „Ich war Zaungast am Eingang des F-Blocks. Ich kann mich noch dunkel an Lake und noch sehr gut an Molly Hatchet und Alvin Lee erinnern, die mich völlig umgehauen haben. ‚Ten Years Later‘ war, auf den Tag zehn Jahre nach dem Auftritt von Ten Years After in Woodstock, natürlich das Wortspiel des Tages.“

Auch der spätere Szene-Gitarrist Stefan Strauß (Negative White, Die Woarhaet) war dabei: „Ich bin hin wegen Alvin Lees Gitarrenspiel. Der einfache, klare Bluesrock war eine Inspiration und hat mich noch mehr zum Gitarre lernen motiviert damals. Ich war fertig, als das super schnelle Solo bei ‚I’m going home‘ auf dem zwölften Bund abging. Die Karte kostete wohl so um die 50 Mark. Man saß auf dem Boden auf einer Decke mit seinen Schlaghosen-Jeans. Die Amis hinter uns haben so seltsames Zeug geraucht und irgendwas aus einem Kanister getrunken. Es war meine erste Großveranstaltung, das hat mich nachhaltig geprägt.“



Weshalb bloß die Soul-orientierten Commodores mit dem späteren Superstar Lionel Richie in dieses Set von Rockgruppen eingeladen wurden, bleibt ein Geheimnis. Womöglich wollte man US-Amerikaner von der Airbase in Ramstein anlocken. Zu den Wenigen, die auch den Commodores („Brick House“) etwas abgewinnen konnten, gehörte der Homburger Daniel Heintz. „Es war ein geiles Konzert mit 100 Amis aus Kaiserslautern und mir vor der Bühne, während der Rest im Ludwigspark nicht viel mit dem Soul-Funk anfangen konnte. Lionel Richie zwinkerte mir noch zu, als ich ihm ein Commodores-Schild entgegenhielt. Queen war natürlich beeindruckend, wobei ich beim Feuerwerk am Schluss schon heimgehen musste.“

Auf einer Queen-Fanseite wird das Konzert deswegen als besonders hervorgehoben, weil da Roger Taylor seinen „Haar-Unfall“ hatte – statt wie gewünscht Blond kam bei dem Färbeversuch des Queen-Schlagzeugers nämlich Grün heraus. Die Haarfärbe-Katastrophe sei einer der peinlichsten Momente seines Lebens gewesen, meinte er später. Er hatte außerdem noch ein paar Monitor-Probleme, also zerstörte er am Ende frustriert sein Drumset. Die Setliste von Queen umfasste immerhin ganze 23 Stücke, darunter natürlich die Mega-Hits „We Will Rock You“ (in zwei Versionen) und „We Are the Champions“ – ein Stück, das ja heute noch gerne in Fußballstadien gespielt wird. Außerdem dauerte der Auftritt genau 93 Minuten – übliche Fußballspiel-Länge. Zwei Tage später war wieder Alltag im Ludwigspark: Da gab es in der Zweiten Liga Süd ein 1:1 des 1. FC Saarbrücken gegen die Stuttgarter Kickers.