| 23:43 Uhr

Killers-Konzert in der Rockhal
Las Vegas in Luxemburg

Brandon Flowers (hier bei einem früheren Auftritt 2016) sorgte auch auf der Bühne der Rockhal für mächtig Stimmung.
Brandon Flowers (hier bei einem früheren Auftritt 2016) sorgte auch auf der Bühne der Rockhal für mächtig Stimmung. FOTO: picture alliance / dpa / Sebastian Silva
Esch-sur-Alzette. Die amerikanische Rock-Formation „The Killers“ bringt die Rockhal beinahe wortwörtlich zum kochen. Frontmann Brandon Flowers ist als Tänzer, Sänger und Entertainer kaum zu stoppen. Von Eric Kolling

Nur die weißen Tiger fehlen: Ansonsten hat das, was die „Killers“ am Donnerstag in der Luxemburger Rockhal bieten, verdammt viel von ihrer Heimat Las Vegas. Das liegt neben Funkenregen, Konfettikanonen, Lasershow und dem beleuchteten Riesen-Männlichkeitssymbol in der Bühnenmitte vor allem an Sänger Brandon Flowers. Ein Entertainer, bei dem man sich in der Rockhal nie entscheiden kann, ob er mehr an wegen des extravaganten Looks an Falco, durch die theatralischen Gesten an David Hasselhoff oder ob seiner Frisur und Tanzposen an Elvis erinnert.

Doch das Las-Vegas-Gefühl wird bei diesem Ausweichtermin für das ausgefallene Märzkonzert maßgeblich auch durch die Temperaturen befeuert. Trotz der gefühlten 50 Grad sind die 6500 Fans in der ausverkauften Halle in Partylaune, bis der Schweiß in Sturzbächen fließt. Man fragt sich dabei, wie Irrwisch Flowers seine Show-Einlage nebst gelegentlichem Keyboard- oder Gitarrenspiel in der dicken Kluft 45 Minuten lang geben kann. Nach einer Dreiviertelstunde tauscht er dann doch Anzug mit gegen Hemd mit Herzchen.

Ein Gigant in Sachen Gesang wird der 37-Jährige mit dem Dauer-Zahnpaste-Grinsen unterdessen nicht mehr, was man etwa bei „Smile like you mean it“ leidlich deutlich hört. Es zählt zu den bekanntesten Stücken der amerikanischen Indie-Rock-Band, war Bestandteil ihres Durchbruch-Debüts „Hot Fuss“ 2004. Und das Publikum sieht so aus, als hätte es dieses vor zehn, 15 Jahren zu wilden Studienzeiten rauf und runter getanzt. Doch die zu zarte Musik und der zurückgenommene Gesang nehmen dem Lied die Wucht.



Zum Glück bleibt das die Ausnahme. Auch wenn sich die Melodien und Flowers kaum verständlicher Gesang zu oft zu einem Soundbrei vermischen. Dabei kam bei den Kritikern auch das aktuelle fünfte Studioalbum „Wonderful Wonderful“ wegen seines Klangbombastes gut an. Dass die Hälfte der Band, also Bassist Mark Stoermer und Gitarrist Dave Keuning, live nicht mehr auftreten wollen und ersetzt wurden, macht es nicht besser.

Fast zwei Stunden geht das Dauerschwitzen zur Partybeschallung. Nur die beiden hierzulande größten Hits „Human“ und das grandiose „Mr. Brightside“ kommen als Zugabe, ehe Schlagzeuger Ronnie Vannucci eine Flasche Sekt zur Abkühlung in die erste Reihe spritzt. Hätte die Show länger gedauert, hätte vielleicht ob der Hitze der eine oder andre doch noch weiße Tiger auf der Bühne gesehen.