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Die Saarbrücker HBK beim Erlanger Comic-Salon
Kurze Wege in die Welt des Comics

Von Augenblitzen getroffen: ein am Werbebanner des Comic-Salons vorbeigehender Pasant.
Von Augenblitzen getroffen: ein am Werbebanner des Comic-Salons vorbeigehender Pasant. FOTO: dpa / Nicolas Armer
Erlangen. Eindrücke vom jüngsten Erlanger Comic-Salon, wo diesmal Saarbrücker Kunsthochschul-Studenten prämiert worden sind. Von Barbara Scherer

Die Klappstühle vor der kleinen Bühne in Messehalle C sind fast alle besetzt, als die Lesung beginnt. Zuerst nimmt Valérie Minelli, Studentin an der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK), am dort aufgebauten Laptop Platz. Sie liest aus ihrem Comic „Doheem“ – „das bedeutet ‚zu Hause‘ auf Luxemburgisch“, erklärt sie. Auf der Leinwand sind die Bilder zu sehen, sie liest die Texte. Nach ihr stellen noch sechs weitere HBK-Studenten ihre Geschichten vor. Es gibt Applaus, Lacher, einige machen Fotos und kurze Videos. Für etwa eine Stunde stehen die HBK-Studenten beim 18. Comic-Salon in Erlangen im Fokus.

Die Lesung am Sonntag, dem letzten Tag der viertägigen Messe, ist nur ein Höhepunkt für die Saarbrücker HBK-Studenten. Zwei Tage zuvor, am Freitagabend, gewinnen sie mit ihrer Anthologie „Paradies“ den Max-und-Moritz-Preis für die beste studentische Publikation. Der Preis wird in neun Kategorien vergeben (siehe Info) – und das an den Nachwuchs genauso wie an bereits etablierte Künstler und Künstlerinnen. Eine davon ist Sarah Burrini. Sie ist beim Comic-Salon ein paar Dutzend Meter entfernt in Halle A. Am Stand von Edition Kwimbi signiert sie ihr nun preisgekröntes „Das Leben ist kein Ponyhof“. Mit am Kwimbi-Stand sind weitere Stars der Webcomic-Szene. Sie plaudern über ihre Arbeit, machen Zeichnungen, signieren für die Fans. Der Zeitplan sei „ganz schön stramm“, sagt Marvin Clifford lächelnd. Dann zeichnet er weiter in eins der von einem Fan mitgebrachten Bände seines bereits 2014 mit dem Publikumspreis ausgezeichneten „Schisslaweng“.

Nicht nur in den „Messehallen“ – aufgrund von Umbaumaßnahmen in der Heinrich-Lades-Halle sind es in diesem Jahr Zelte – treffen sich Fans und Sammler, Künstler und Illustratoren. Dass Comic-Salon ist, zeigt sich in der ganzen Stadt. Überall sind Menschen unterwegs, viele der insgesamt etwa 30 000 Besucher tragen bunte Comic-T-Shirts, einige sogar Kostüme ihrer Lieblings-Comic-Helden. Von einem „Salon der kurzen Wege“ ist die Rede, da durch den Wegfall der Lades-Halle die zahlreichen Orte für Ausstellungen, Lesungen, Comic-Börse und die große Party am Samstagabend näher zusammen liegen als sonst. Direkt neben dem Schlossgarten, der die Hallen A und C verbindet, liegt der Redoutensaal. Hier stellt Flix aus. Der gebürtige Münsteraner lebt in Berlin, hat unter anderem an der HBK Saar studiert. Seine Ausstellung zeigt Ausschnitte seines bisherigen Werks aus 20 Jahren Tätigkeit – und eine Vorschau auf sein Ende Juli erscheinendes Projekt „Spirou in Berlin“.



Über die Arbeit daran spricht er bei einer Diskussion am Samstag in der Orangerie, ebenfalls direkt am Schlossgarten. „Flix hat als erster nicht frankophoner Zeichner das Privileg, ein Spirou-Album zu zeichnen“, erläutert Christoph Haas, Moderator des Gesprächs. Ebenfalls mit dabei: Yoann, belgischer Spirou-Zeichner. Gemeinsam philosophieren sie über die Figur, ihr Universum und die Regeln, die sie beim Zeichnen beherzigen müssen. Einfach so einen Hauptcharakter sterben lassen dürfen beide beispielsweise nicht. Flix darf aber etwas mehr eigene künstlerische Handschrift zeigen: „Der Band, den ich gemacht habe, ist kein Teil der klassischen Serie“, erzählt er. Dafür ist er voller Anspielungen, unter anderem auf die Geschichte des geteilten Deutschlands. Einige davon entdecken die Besucher der Ausstellung. „Da sind Abrax, Brabax und Califax“, zählt einer seiner Begleitung weitere Figuren auf, die Flix in seine Zeichnung eingefügt hat. Er lacht und sagt: „Da musst du Ossi sein, um zu wissen, was er meint.“

Neben dem Redoutensaal, der zwei von über 20 Ausstellungen des Salons beherbergt, liegen das Markgrafentheater und das kleinere Theater in der Garage. Im Markgrafentheater geht die Max-und-Moritz-Gala über die Bühne. Dass sie tatsächlich gewonnen haben, ist für die HBKler auch einen Tag später kaum zu fassen, genauso wie die lobenden Worte von Laudator Lars von Törne. Er bezeichnet die HBK als „eine Hochschule, die sich anschickt, eine zunehmend wichtige Rolle in der deutschen Comiclandschaft zu spielen“. Dass sich an der HBK „viel getan“ hat, findet Dozent Jonathan Kunz. Als eine noch deutlich kleinere Gruppe der Hochschule vor acht Jahren erstmalig beim Comic-Salon war, hatten sie nur „ein Comic-Heft und drei Postkarten“ dabei, sagt er und erinnert sich: „Es war erschreckend, wie gut die anderen aufgestellt waren.“ Bei der diesjährigen Auflage jedoch sorgen die Saarbrücker mit ihrer Anthologie und mit ihrem liebevoll gestalteten Stand für Aufsehen. Es bleibt spannend, ob (und wie) die HBKler beim nächsten Comic-Salon in zwei Jahren noch einen draufsetzen können.

Comiczeichner Flix, der an der Saarbrücker HBK studiert hat, in Erlangen.
Comiczeichner Flix, der an der Saarbrücker HBK studiert hat, in Erlangen. FOTO: Barbara Scherer/SZ / Barbara Scherer