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Ausstellung in Frankfurt
William Kentridge hat ein Museum umfunktioniert

Der südafrikanische Künstler William Kentridge in der Ausstellung. Foto: Frank Rumpenhorst
Der südafrikanische Künstler William Kentridge in der Ausstellung. Foto: Frank Rumpenhorst FOTO: Frank Rumpenhorst
Frankfurt/Main. Nach Jeff Koons nun William Kentridge: Der international renommierte Künstler aus Südafrika hat die mehrere tausend Jahre umfassende Sammlung im Frankfurter Liebieghaus in seine eigene Bühne verwandelt. Von Thomas Maier, dpa

Das Frankfurter Liebieghaus darf sich mit wertvollen Reliefplatten schmücken, die einst die Deutsche Orientgesellschaft Anfang des 20. Jahrhunderts in Ägypten erbeutet hat. Fast zeitgleich ließ das deutsche Kaiserreich im Südwesten Afrikas ein ganzes Volk niedermetzeln.

Ein gutes Jahrhundert danach erinnert William Kentridge in dem Frankfurter Museum, das eine der bedeutendsten Skulpturensammlungen Europas besitzt, an das düstere Kapitel des deutschen Kolonialismus.

„Einige Worte an die Herero“ - so startet die Projektion in Kentridges vollautomatischem Miniaturtheater „Black Box“. Der international renommierte Künstler aus Südafrika hat die mehrere tausend Jahre umfassende Sammlung im Liebieghaus in seine Bühne umfunktioniert. Unter dem Titel „O Sentimental Machine“ ist seine Ausstellung vom 22. März bis 26. August zu sehen. Nach Jeff Koons (2012) hat das Haus zum zweiten Mal seine Sammlung einem zeitgenössischen Künstler für eine „Intervention“ überlassen.



Kentridge liefert mit seinen 80 Installationen, Zeichnungen und Filmen einen eindrucksvollen Dialog. Der 62-Jährige integriert nicht nur die Museumsobjekte in seine Inszenierung. Er bezieht sich auch auf die Geschichte der früheren Industriellen-Villa, in dem das Liebieghaus untergebracht ist. Es ist ein im Zuckerbäckerstil des ausgehenden 19. Jahrhunderts erbautes Gebäude.

Im mit Büsten prächtig ausgestatteten Speisesaal der Villa Liebiegs, der als Textilunternehmer steinreich wurde, konfrontiert der Künstler den Besucher mit drei alten Singer-Nähmaschinen. Oben sind Lautsprecher montiert, aus denen traditionelle südafrikanische Gesänge zu hören sind. So eröffnet der in Johannesburg lebende Kentridge ganz neue Perspektiven.

In seinen Arbeiten stellt er auch die von ihm als menschenfeindlich empfundene Definition von Zeit und Arbeit in der Industrialisierung in Frage. Sein Hauptinteresse gilt aber der technischen Bewegung - von der Antike bis ins 19. Jahrhundert. Dem widmen sich viele seiner Objekte, zum Beispiel die für Frankfurt geschaffene kinetische Skulptur „Coffee Pot“. Es sind fragmentierte Objekte, die sich ineinandergreifend doch zu einem Ganzen fügen. In einer so fragilen Zeit wie heute interessierten ihn diese Dinge besonders, sagte er in Frankfurt.

Liebieghaus

Eine Video-Installation des südafrikanische Künstlers William Kentridge. Foto: Frank Rumpenhorst
Eine Video-Installation des südafrikanische Künstlers William Kentridge. Foto: Frank Rumpenhorst FOTO: Frank Rumpenhorst
Das „Singer Trio“ des südafrikanische Künstlers William Kentridge.Foto: Frank Rumpenhorst
Das „Singer Trio“ des südafrikanische Künstlers William Kentridge.Foto: Frank Rumpenhorst FOTO: Frank Rumpenhorst
Mitarbeiter des südafrikanische Künstlers William Kentridge montieren im Skulpturenmuseum Liebieghaus dessen Werk „Coffee Pot“. Foto: Frank Rumpenhorst
Mitarbeiter des südafrikanische Künstlers William Kentridge montieren im Skulpturenmuseum Liebieghaus dessen Werk „Coffee Pot“. Foto: Frank Rumpenhorst FOTO: Frank Rumpenhorst