| 16:17 Uhr

Kamera statt Trompete
Till Brönner fotografiert den „Melting Pott“

 Till Brönner vor seiner Serie mit Stahlarbeitern von Thyssenkrupp im Museum Küppersmühle. Foto: Rolf Vennenbernd
Till Brönner vor seiner Serie mit Stahlarbeitern von Thyssenkrupp im Museum Küppersmühle. Foto: Rolf Vennenbernd
Duisburg. Als der Jazztrompeter und Fotograf Till Brönner vor gut zwei Jahren gefragt wurde, ob er nicht mal das Ruhrgebiet fotografieren wolle, habe er zunächst gedacht: „Vielleicht ist das nichts für mich“. Von Helge Toben, dpa

War es dann aber doch.

Über ein Jahr lang hat der aus dem niederrheinischen Viersen stammende Brönner das „Revier“ durchstreift und seine Sicht der Menschen und Dinge mit der Kamera festgehalten. Das Ergebnis, Tausende Fotos später, kann jetzt im Museum Küppersmühle in Duisburg in Augenschein genommen werden.

„Melting Pott“ haben die Ausstellungsmacher die Fotoschau überschrieben - ein Wortspiel aus dem englischen Wort für „Schmelztiegel“ und dem Begriff „Ruhrpott“. Bis zum 6. Oktober werden mehr als 200 Fotografien des 48-Jährigen gezeigt - in Schwarzweiß und Farbe. Auftraggeber ist die Essener Brost-Stiftung. Nach dem Start in Duisburg soll die Schau auf Reisen gehen.



„Was deutlich wird, ist, dass es im Ruhrgebiet sehr menschelt“, sagt Brönner am Dienstag über die Ausstellung. Da ist die Frau, die mit dicker Zigarre im Mund aus dem Fenster schaut, der Stahlarbeiter, der in feuerfester Schutzkleidung gelassen in die Kamera blickt oder der Taubenvater, der fröhlich-stolz das „Rennpferd des kleinen Mannes“ präsentiert. Klare Bilder, konzentriert und nicht bloßstellend.

Großen Raum nehmen Aufnahmen aus dem Fußball ein. Viele Fotos macht Brönner bei den beiden Traditionsvereinen Schalke 04 und Borussia Dortmund. Dortmunds Stadionsprecher Norbert Dickel fotografiert er bei der Arbeit. Zu sehen sind konzentrierte Fans, gut gelaunte Ordner, nervöse Einlaufkinder, zumeist in Schwarzweiß. Auch Prominente aus dem Ruhrgebiet posieren für Brönner. Fußballstar Mario Götze etwa oder der Schauspieler Ralf Möller. Weitere Aufnahmen zeigen Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck, Essens Polizeipräsidenten Frank Richter oder Regisseur Sönke Wortmann.

Zu sehen ist Brönners Sicht des Ruhrgebiets, eine „Momentaufnahme“ nennt er seine Bilder. Neben den Menschen, einigem an Architektur und Kulturlandschaft, Verkehr, Forschung und Industrie ist auch Alltags-Hässlichkeit zu sehen: Heruntergekommene Läden, triste Straßenecken. „Schönheitswettbewerbe werden woanders gewonnen“, sagt er. Ästhetik entdeckt der Fotograf trotzdem vielerorts: Auf dem Kemnader Stausee etwa. Auf einer unendlich scheinenden Wasserfläche lässt er drei kleine, blaue Tretboote fahren. Und er fokussiert aufs Unscheinbare: Auf den Schotter-Belag auf dem Gelände eines Stahlwerks etwa oder auf ein Baugerüst.

Echo-Preisträger Brönner fotografiert seit rund zehn Jahren. „Ich bin so was wie ein Autodidakt“, sagt er. 2015 veröffentlichte er einen beachteten Bildband mit Schwarzweiß-Porträts von Musikerkollegen. Die Schau in Duisburg ist nach Angaben der Museums die bislang umfangreichste Foto-Schau des Jazztrompeters. Ein 20-minütiger Film dokumentiert, wie die Ausstellung zustande kam. Die Musik zum Film machte er selbst.

Infos zur Ausstellung

Homepage Till Brönner Photography

 Till Brönner vor seiner Serie von Orten im Ruhrgebiet. Foto: Rolf Vennenbernd
Till Brönner vor seiner Serie von Orten im Ruhrgebiet. Foto: Rolf Vennenbernd FOTO: Rolf Vennenbernd