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Interview mit Michel Fugain
„Ein Chanson ist ein Gesamtpaket“

  Chanson-Legende Michel Fugain kommt nach Saarlouis.
Chanson-Legende Michel Fugain kommt nach Saarlouis. FOTO: Christophe Toffolo / www.toffographie.com
Saarlouis. Liedermacher Michel Fugain kommt morgen nach Saarlouis. Dort wird aber nicht nur gesungen. Von Hélène Maillasson

Seit über 50 Jahren tritt er in Frankreich auf, wo er nach wie vor einer der bekanntesten Liedermacher ist. Nun kommt Michel Fugain (77) nach Saarlouis – mit einem besonderen Chanson-Abend.

Monsieur Fugain, in Ihrem Bühnenprogramm „La causerie musicale“ (deutsch: musikalische Plauderei) wird nicht nur gesungen, sondern Sie erzählen dem Publikum viel über die Entstehungsgeschichte der Lieder. Warum diese besondere Form?

FUGAIN Ich wurde im Laufe der Jahre immer darauf angesprochen. Die Menschen kommen nicht nur, um Lieder zu hören, sondern wollen einen Typ kennenlernen. Wie er tickt, was er denkt, wie seine künstlerische Arbeit zustande kommt. Ich stand oft in Proben oder Master-Classes und dachte: Wie schade, dass das Publikum das hier gerade nicht mitkriegt. Mit diesem Programm lasse ich die Gäste sozusagen ein Stück hinter die Kulissen blicken.



Geht das auch in Saarlouis, wo man nicht davon ausgehen kann, dass alle im Publikum zweisprachig sind?

FUGAIN Die Gespräche werden auf der Bühne übersetzt. Das ist also kein Problem. Doch natürlich gibt es in beiden Ländern unterschiedliche Referenzen und Bezüge. Das macht das Ganze spannend.

Chanson ist sehr facettenreich. Was ist Ihrer Meinung nach das Wichtigste für diese Gattung: die Menschen zu unterhalten oder wichtige Botschaften zu senden?

FUGAIN Ein Chanson ist ein Gesamtpaket. Natürlich sind die Themen wichtig, doch man sollte nicht naiv sein und denken, dass Lieder die Welt verändern. Vor rund 40 Jahren habe ich zum Beispiel in „Bravo Monsieur le monde“ bereits Umweltschutz thematisiert – und auch andere Liedermacher haben immer wieder davon gesungen. Das hat trotzdem nicht verhindert, dass wir dabei sind, die Natur zugrunde zu richten. Die Melodie aber macht das Chanson zu dem, was es ist. Anders zum Beispiel im Rap, wo nur gesprochen wird.

Singen Sie heute noch Ihre alten Lieder oder meinen Sie, dass sie eben einer vergangenen Zeit angehören?

FUGAIN Manche Geschichten könnte es heute natürlich so nicht mehr geben. Wie in „Une belle histoire“, wo es um ein Pärchen geht, das sich beim Trampen an der Autobahn-Raststätte kennenlernt. Das gibt es heute nicht mehr. Heute wären sie sich über BlaBlaCar begegnet.

Auch die Musikwelt ändert sich. Als Sie Ihre ersten Lieder herausgebracht haben, haben sich die Menschen gezielt eine Platte gekauft. Heute ist die Musik überall über Streaming-Dienste verfügbar. Man kann die Lieder aber genauso schnell wieder wegklicken. Wird Ihrer Ansicht nach dadurch der Arbeit, die hinter einem Album steckt, weniger Wertschätzung entgegengebracht?

FUGAIN Wir haben es jetzt mit der Zapper-Generation zu tun. Ich würde nicht sagen, dass sie die Musik nicht zu schätzen wissen. Sie tun mir aber leid, denn sie konsumieren mehr, als dass sie sich Erinnerungen schaffen. Lieder haben für jeden Einzelnen eine besondere Bedeutung. Man verbindet sie mit einer persönlichen Erfahrung, einer Emotion, mit einem bestimmten Lebensabschnitt. Wer sich lediglich von Playlist zu Playlist durchklickt, dem fehlen die Lieder, die einen prägen. Wenn die 20-Jährigen von heute in 30 Jahren zurückblicken, werden sie kaum musikalische Erinnerungen haben.

Konzert: Freitag, 6. März, 20 Uhr im
Theater am Ring in Saarlouis.
Tickets bei Ticket regional.