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Rockgruppe BAP tritt auf
Konzert in Worms ist für Niedecken Heimspiel

 Der Musiker Wolfgang Niedecken zeigt ein altes Familienfoto. Für ihn ist das Konzert seiner Rockband BAP an diesem Sonntag in Worms auch eine Art Heimspiel. Denn mit Rheinland-Pfalz verbindet den 68-Jährigen mehr als viele seiner Fans ahnen.
Der Musiker Wolfgang Niedecken zeigt ein altes Familienfoto. Für ihn ist das Konzert seiner Rockband BAP an diesem Sonntag in Worms auch eine Art Heimspiel. Denn mit Rheinland-Pfalz verbindet den 68-Jährigen mehr als viele seiner Fans ahnen. FOTO: dpa / Oliver Berg
Worms. Die Rockgruppe BAP gehört zu Köln wie Dom und Karneval. Was wenige Fans wissen: Die Verbindung von Bandchef Wolfgang Niedecken zu Rheinland-Pfalz ist eng. Der Mundart-Musiker war hier sogar mal als Polizist im Einsatz.

Für den Kölner Musiker Wolfgang Niedecken ist das Konzert seiner Rockband BAP („Verdamp lang her“) an diesem Sonntag, 11. August, in Worms auch eine Art Heimspiel. Denn mit Rheinland-Pfalz verbindet den 68-Jährigen mehr als wohl viele denken. Die engsten Verbindungen bestehen dabei zu Unkel im Kreis Neuwied – denn aus dem idyllischen Weinörtchen stammte Niedeckens „Bapp“ Josef.

„Mein Vater wurde 1904 in Unkel geboren und wuchs in einer Winzerfamilie auf“, erzählte der Gitarrist und Sänger. „Vermutlich stammt daher meine Vorliebe für Riesling, die ist wohl genetisch angelegt“, sagte er schmunzelnd der Deutschen Presse-Agentur. Unkel lag damals in der Rheinprovinz, Rheinland-Pfalz gab es seinerzeit noch nicht. Die aus den USA eingeschleppte Reblaus zerstörte zwischen den Kriegen Josef Niedeckens Lebensgrundlage in dem Ort, und er zog nach Köln.

Nach Unkel ist Wolfgang Niedecken immer wieder zurückgekehrt. „Als Kind habe ich meist im August viel Zeit bei Onkel Albert und Tante Lisbeth verbracht, der Schwester meines Vaters, und ihrem riesigen Neufundländer Wotan. Daran erinnere ich mich ganz nostalgisch.“ Im Brunnen vor dem Haus schwammen Enten, im Garten wuchsen Erdbeeren, erinnerte er sich.



Auch musikalisch ist die Verbindung des Mundart-Musikers mit Rheinland-Pfalz eng. Das live im Fernsehen übertragene BAP-Konzert auf der Loreley 1982 gilt als Durchbruch für die bis dahin vor allem regional bekannte Gruppe. Der Auftritt sei für die Musiker wie ein 8,90-Meter-Sprung gewesen, sagte Niedecken in Anspielung auf den legendären Olympia-Sprung des US-Athleten Bob Beamon 1968. „Aber die große Bedeutung des Konzerts ist uns erst später bewusst geworden.“

Besonders vorbereitet habe sich die Band nicht, sagte Niedecken. „Die Probe bestand aus dem Durchschrammeln der neuen Stücke auf akustischen Gitarren, und dann gingen wir einen trinken. Das war einfach unsere Leichtigkeit, wir waren unfassbar easy unterwegs.“

Heute würden neue Lieder vor einem Konzert auch schon einmal eine Woche lang geprobt. Damals habe sich niemand groß Gedanken gemacht über den Auftritt in der Sendung „Rockpalast“. Arglos und unschuldig sei die Gruppe gewesen, sagte Niedecken. „Übertrieben gesagt: Wir waren eine Art Punkband – nur ohne Sicherheitsnadel im Ohr.“

Besonders verbunden ist der leidenschaftliche Fußballfan auch mit dem Betzenberg, der Heimstatt des 1. FC Kaiserslautern – obwohl Niedecken „seinen“ 1. FC Köln unterstützt. Für eine SWR-Sendung trug der Rocker vor 25 Jahren bei einem FCK-Spiel Polizeikluft und nahm am Einsatz der Sicherheitskräfte teil. „Es war gut, einmal die Innensicht zu bekommen“, erinnerte sich der Musiker an die Aktion aus dem Jahr 1994.

Eine Armee sei nicht sein Ding, sagte Niedecken. Keine Gesellschaft komme aber ohne Ordnungskräfte aus. „Stell dir vüür, wir hätten keine Polizisten – wie soll datt denn gehen?“ Das Gewaltmonopol müsse der Staat ausüben. „Und mir persönlich ist auch von westdeutschen Polizisten noch nie etwas Übles passiert – auch, bevor ich prominent war“, betonte er. Schon damals habe er ganz nahe miterlebt, dass Polizisten eine Menge einstecken und trotzdem ruhig bleiben müssten.

Das Konzert an diesem Sonntag in Worms ist der vorletzte Auftritt der Band in diesem Jahr. Nach dem Abschluss am 16. August in Bonn meidet die Gruppe erst einmal die Bühne, bald geht es ins Studio. „Die neuen Songs haben wir schon“, sagte Niedecken, der grenzüberschreitende Rheinländer.

(dpa)