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Neues Programm der Saarbrücker Kammerkonzerte
Saarbrücker Konzertreihe sucht neue Spitze

Auf internationalen Podien daheim: Das Phaeton-Trio (Cellist Peter Hörr, Geiger Friedemann Eichhorn und Pianist Florian Uhlig) kommt am 26. Oktober zum zweiten Saarbrücker Kammerkonzert.
Auf internationalen Podien daheim: Das Phaeton-Trio (Cellist Peter Hörr, Geiger Friedemann Eichhorn und Pianist Florian Uhlig) kommt am 26. Oktober zum zweiten Saarbrücker Kammerkonzert. FOTO: Phaeton Piano Trio / Guido Werner
Saarbrücken. Die neue Saison der Saarbrücker Kammerkonzerte verspricht exquisit zu werden – wie gewohnt. Doch Präsident Walter Glößner will jetzt nach fast 30 Jahren sein Amt abgeben. Von Oliver Schwambach

Alter kann bekanntlich sehr relativ sein. Und so führt die 86 vor den Lebensjahren bei Walter Glößner eindeutig in die Irre, so enorm ist sein Pensum, so facettenreich sind seine Aktivitäten. Vor allem aber die Musik taktet die Tage des notorischen Unruheständlers. Gilt es beispielsweise, einen Termin zu finden für ein Gespräch mit ihm, hört man schnell mal: „Um 18 Uhr ist Quartett“. Will heißen, das ist eine heilige Zeit für ihn, wenn er etwa mit früheren Musikern des Rundfunk-Sinfonieorchesters Saarbrücken probt. Musik bedeutet für Glößner Leidenschaft. Die er so lebt, wie das wohl nur jemand kann, der sie zwar zum Beruf hätte machen können, aber dann doch Diplom-Kaufmann und schließlich Direktor der Société Générale Alsacienne de Banque (Sogenal) wurde, mit der Kunst also nicht sein Brot verdienen musste. Zwei Stunden Üben pro Tag sind für Glößner dennoch Pflicht, oder wohl eher Lust.

Und auch wenn er die Geige aus der Hand legt, geht’s oft musikalisch weiter. Seit fast 30 Jahren amtiert er auch als Präsident des kleinen Vereins, der die Saarbrücker Kammerkonzerte (SKK) trägt. Und der kennt im Grunde bloß eine Verpflichtung: Qualität. Was über die Jahre so schon in Saarbrücken zu hören war, zählt gewiss zum Nobelsten, was man in dieser hochkonzentrierten Form des Musizierens aufbieten kann. Duos, Trios und Quartette aus ganz Europa und von internationalem Rang waren hier, aber auch Musiker der Region sind dabei, sofern sie diese Klasse haben. Im aktuellen Programm stehen dafür etwa die beiden Rivinius-Brüder Gustav und Paul (Konzert am 24. Mai 2019), die auch ein Werk des Ausnahmepianisten und früheren Saarbrücker Musikhochschullehrers Walter Gieseking spielen werden.

Solche Güte in den nun kommenden neun Konzerten hat natürlich ihren Preis: 70 000 Euro Etat kalkuliere man für die Saison 2018/9019, erläutert Glößner. Kulturministerium und die Stadt Saarbrücken finanzieren verlässlich, ein kleinerer Anteil kommt von Sponsoren und durch die Eintritte. Geldgeber zu finden aber, wird zum immer mühsameren Geschäft. Gleichzeitig, so der SKK-Präsident, steigen die Kosten. Alleine die Maßnahmen zur neuen Datenschutzverordnung schlugen mit 2000 Euro ins Kontor, damit etwa Mailings weiterhin problemlos an Kammermusik-Interessierte verschickt werden dürfen.



Eine Bank immerhin ist das Publikum, sagt Glößner: „90 bis 100 Zuhörer“ kommen im Schnitt pro Termin in die Saarbrücker Musikhochschule, die den Konzertsaal zur Verfügung stellt. Die Resonanz ist gut, der SKK-Präsident darüber hochzufrieden. Aber ist das irgendwie ausbaufähig ist? Schwerlich, denn zu den Realitäten zählt auch, dass im kleinen Saarland die Kammermusik beachtlich stark auftritt. Die Homburger Meisterkonzerte etwa punkten ebenfalls mit hochkarätigen Künstlern und sogar 40 Jahren Tradition. Auch „Musik & Theater Saar“-Chef Joachim Arnold hat mit seinen Sommerkonzerten in der Alten Abtei in Mettlach, ökonomisch gesprochen, eine echte Top-Marke geschaffen. Wobei der geschäftstüchtig nach Haydn und Rachmaninow im Abteigarten noch Landschweincarré und Mousse au Chocolat mit marinierten Beeren reichen lässt.

Solch’ künstlerisch-kulinarischen Kombinationen sind Walter Glößners Sache nicht. In puncto Kammermusik ist er Purist: „Ich möchte nicht, dass das zum Event wird.“ Die Saarbrücker Konzerte sollen ausschließlich durch Qualität bestechen. Das sei „einzigartig hier, was wir anbieten“, sagt Glößner. Und die Reihe, die am 21. September Till Alexander Körber und das Merlin Ensemble aus Wien eröffnen werden, beglaubigen das.

Aktuell ist es ein kleines Trio, das sich zusammen mit Glößner um die Umsetzung kümmert. Ohnehin ist der Verein bloß rund 20 Mitglieder klein. Darum blickt der Präsident auch mit Sorge in die Zukunft. Nach fast 30 Jahren an der Spitze des Vereins will er sein Amt abgeben; verleugnen könne er sein Alter ja nicht. Ein Nachfolger aber ist weit und breit nicht in Sicht, zumal auch seine Mitstreiter nach vielen Jahren der Vereinsarbeit müde seien. Im Idealfall könnten die Saarbrücker Kammerkonzerte an der Musikhochschule angedockt werden, hofft Glößner. Doch konkret ist bislang nichts. „Für dieses Problem brauche ich noch eine Antwort“, meint Glößner. Das allerdings mit der Gelassenheit eines früheren Bankers, der es gewohnt war, Lösungen zu finden. In Zeiten allerdings, wo alle sich um Ehrenamtler reißen und dazu dem Anspruch, den die Kammerkonzerte nicht zuletzt an ihre Macher stellen, hat Walter Glößner zum Ende seiner langen Präsidentschaft wohl noch eine Herkulesaufgabe vor sich.

Walter Glößner führt die Kammerkonzert-Reihe seit fast 30 Jahren.
Walter Glößner führt die Kammerkonzert-Reihe seit fast 30 Jahren. FOTO: Oliver Dietze