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20-Jährige in Trier gekrönt
Neue Glühweinkönigin mag’s klassisch rot

Die neue deutsche Glühweinkönigin Jordis Schweigstill ist das Gesicht des Trierer Weihnachtsmarkts. 
Die neue deutsche Glühweinkönigin Jordis Schweigstill ist das Gesicht des Trierer Weihnachtsmarkts.  FOTO: dpa / Harald Tittel
Trier. Jordis Schweigstill kann offiziell die Tasse heben: Die 20-Jährige wurde in Trier zur deutschen Glühweinkönigin gekrönt. Von Birgit Reichert

Sie liebt Winter, vorweihnachtlichen Budenzauber – und Glühwein. „Ich bin ein absoluter Weihnachtsmarkt-Fan“, sagt Jordis Schweigstill. Die Wochen vor dem großen Fest seien für sie ganz besonders: „Das ist meine Lieblingsjahreszeit.“ In diesem Jahr kann die 20-Jährige im purpurroten Dirndl mit goldenem Diadem sogar „hochoffiziell“ mit Glühweintasse unterwegs sein. Sie ist die neue deutsche Glühweinkönigin. Auf dem Trierer Weihnachtsmarkt wurde sie vor wenigen Tagen „gekrönt“.

Als sechste „Hoheit“ im Amt will Schweigstill für Winzerglühweine werben, die auf den Weihnachtsmärkten quer in der Republik in Rot und Weiß ausgeschenkt werden. „Bei noch zu vielen hat der Glühwein ein schlechtes Image“, meint sie. Viele dächten, Glühwein sei immer nur „eine süße Plörre, die Kopfweh macht“. Dabei gebe es tolle Glühweine vom Winzer. „Alles hängt von einem guten Grundwein ab.“

Sie selbst mag am liebsten einen klassisch roten Glühwein der Rebsorte Dornfelder. Was unbedingt drin sein muss, wenn sie ihn braut? „Sternanis, Nelken, Zimt und ein paar Orangenscheiben.“ Den ersten Glühwein des Jahres setze sie immer bereits mit ihrer Familie Ende Oktober an, erzählt Schweigstill. Sie macht eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau in einer Sektkellerei und kann sich vorstellen, später mal im Wein-Fachhandel zu arbeiten.



Der Trend zum Winzerglühwein habe sich weiter verstärkt, sagt der Sprecher des Deutschen Weininstituts (DWI), Ernst Büscher, in Bodenheim bei Mainz. Das alkoholische Heißgetränk gehöre bei vielen Winzern mittlerweile fest zum Weinsortiment. Es gebe bundesweit mehr als 100 Weingüter, die Glühwein anböten. Und: Zunehmend würden Winzerglühweine auch auf Weihnachtsmärkten außerhalb von Weinanbaugebieten ausgeschenkt.

Manche Winzer füllten ein paar hundert Liter ab, andere über 100 000 Liter. „Es reicht vom kleinen Winzer mit einem Vom-Hof-Verkauf bis zum Großanbieter für Fachhandel und Lebensmitteleinzelhandel“, sagt Büscher. Er rechnete damit, dass es dieses Jahr mehr Winzerglühweine geben werde, weil der Weinjahrgang üppig ausgefallen ist.

Das Amt der deutschen Glühweinkönigin gibt es nun im zehnten Jahr. „Als wir angefangen haben, hätten wir es nicht für möglich gehalten, dass man dem Glühwein so einen Imagewandel verschaffen kann hin zu einem qualitativ hochwertigen Produkt“, sagt der Sprecher des Trierer Weihnachtsmarktes und der Glühweinkönigin, Thomas Vatheuer. Darauf sei man auch „ein bisschen stolz“. Die Trierer Kronenträgerin ist die einzige – gerade habe man die Marke „Glühweinkönigin“ beim Deutschen Patent- und Markenamt um weitere zehn Jahre verlängern lassen. Schweigstill will das Amt zunächst einen Winter lang ausüben. Für das „heiß“ begehrte Getränk wird sie auf dem Trierer Markt an den Wochenenden nachmittags die Tasse heben. Ob man als Glühweinkönigin besonders trinkfest sein muss? „Nein“, sagt sie. „Ich trinke eine Tasse Glühwein, höchstens zwei. Und dann steige ich auf Kinderpunsch um.“