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Haus der Kunst in München
„Ich war nicht mehr erwünscht“

München. Der Ex-Chef des Hauses der Kunst in München Okwui Enwezor erhebt Vorwürfe.

Rund zwei Monate nach seinem Abschied aus dem Haus der Kunst hat sich der ehemalige Museumschef Okwui Enwezor erstmals dazu geäußert. Im „Spiegel“ spricht der gebürtige Nigerianer von einer „Beleidigung“ und sagt, er habe den Eindruck, „nicht mehr erwünscht“ gewesen zu sein. „Ich bin geradezu perplex. Die Erfolge von sieben Jahren werden unter den Teppich gekehrt“. Enwezor glaubt, das liege auch an seiner Herkunft. „Ich sehe mich grundsätzlich nicht als Opfer von irgendwas. Aber es ist durchaus denkbar, dass meine Herkunft, auch mein Äußeres, manchen zu Projektionen verleiten. Ich beobachte sehr wohl, wie ich kulturell abgewertet werde.“ Als Beleg für diese Vermutung nennt er die Kritik daran, dass er nicht deutsch spricht. „Ich glaube, dass es den Menschen, die nun verlangen, man müsse deutsch sprechen, nicht um Kommunikation sondern um etwas anderes geht.“ Enwezor hatte sein Amt als künstlerischer Leiter Anfang Juni aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt – drei Jahre vor Ablauf seiner Amtszeit. Er habe Krebs, sagte er dem „Spiegel“.

Die zuständige bayerische Kunstministerin Marion Kiechle (CSU) sprach dagegen von einem einvernehmlich beschlossenen Aufhebungsvertrag. Die Äußerungen Enwezors im „Spiegel“ nannte sie „bedauerlich“. Dessen kuratorische Leistungen seien unbestritten.

Das Haus der Kunst hatte bei Enwezors Abschied turbulente Zeiten hinter sich. Es gab massive Geldprobleme. Auch die Nähe von Angestellten zu Scientology und Fälle sexueller Belästigung sorgten für Schlagzeilen. Der Aufsichtsrat reagierte mit Kündigungen und stellte Enwezor im Herbst einen kaufmännischen Geschäftsführer an die Seite. Enwezor dagegen spricht von „chronischer Unterfinanzierung“.