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Kabarett in Saarlouis
Rumpelstilzchen kennt kein Pardon

Hans-Joachim Heist alias Gernot Hassknecht machte in Saarlouis kurzen Prozess. 
Hans-Joachim Heist alias Gernot Hassknecht machte in Saarlouis kurzen Prozess.  FOTO: Sebastian Dingler
Saarlouis. „Heute Show“-Satiriker Hans-Joachim Heist alias Gernot Hassknecht ging im Saarlouiser Theater am Ring in die Luft. Von Sebastian Dingler

Der Hass ist derzeit allgegenwärtig. Hassprediger, Hate Speech, Hassparolen – der Hass ist im Moment so stark aufgestellt, dass er sich sogar einen kleinen Knecht leisten kann mit altertümlichem Vornamen. Das schöne Pseudonym Gernot Hassknecht hat sich der 1,62 Meter große Schauspieler und Komiker Hans-Joachim Heist ausgedacht. Regelmäßig explodiert der Wut-Gnom in der ZDF-Satiresendung „Heute-Show“ als modernes Rumpelstilzchen. Aber auch „solo“ kann er: Mit einem abendfüllenden Programm gastierte der 69-Jährige am Samstagabend im Saarlouiser Theater am Ring.

Optisch eine stark verkleinerte Kreuzung aus Michail Gorbatschow und Marcel Reich-Ranicki, dozierte Hassknecht wie letzterer und ereiferte sich dabei immer wieder bis zur Schnappatmung. Zunächst wurden Politiker beschimpft: Andreas Scheuer trüge ja schon den Begriff „bescheuert“ im Namen, Andrea Nahles wurde als „Krawallschachtel aus der Eifel“ tituliert – dabei ist sie Vorsitzende der Partei, für die sich Heist lange in der Kommunalpolitik engagierte. Der Lieblingsfeind des Sozialdemokraten war natürlich die AfD. „Wir müssen die Demokratie gegen die Rechten verteidigen“, sagte Hassknecht und ließ die Zuschauer anschließend beurteilen, welches Zitat von Adolf Hitler oder von Björn Höcke (den er konsequent „Bernd Höcke“ nannte) stammt. Ohnehin sei alles, worin das Wort „Volk“ drin vorkommt, „scheiße“: Volkswagen, Volk-ornbrot oder Volk-erbouffier. Alexander Gauland wiederum sähe so aus, als hätte er den Mundgeruch erfunden.

Ein weiteres, wenig überraschendes Feindbild Hassknechts: Donald Trump. Dieser habe einen seltsamen slowenischen Roboter geheiratet und sei „der Toupet gewordene Online-Pöbel mit dem Wurstfinger am Atomknopf“. Eher würde er ein drogensüchtiges Stinktier wählen als den aktuellen US-Präsidenten. Aber Hassknecht teilte nicht nur nach einer Seite aus, sondern auch in nicht-politische Richtung: Heutige Eltern könne man mit ihrer Übertoleranz wohl nur noch schocken, indem man zur Freundin sagte: „Hol mir mal’n Bier und wehe, es ist nicht kalt.“ Mit einigen Video-Einspielern aus der Heute-Show gönnte sich der Komiker so manche Pause – das ständige In-die-Luft-gehen ist eben anstrengend. Das merkte man auch daran, dass Hassknecht live wesentlich zahmer daherkam als in den Filmen, in denen er innerhalb kurzer Zeit seine gesamte Energie dem Wutausbruch widmete.



Andererseits: Ständiges Explodieren wäre wohl auch fürs Publikum langatmig geworden, und so erlebten die etwa 300 Zuschauer einen kurzweiligen Kabarettabend, dem sie mit langem Applaus dankten.