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Kino
Grandiose Panoramen und große Emotionen

Die Frau, die alles verloren hat, und der altgediente Soldat und Indianerhasser: Rosalie Quaid (Rosamund Pike) und Captain Joseph Blocker (Christian Bale) begutachten die Lage tief in feindlichem Land.
Die Frau, die alles verloren hat, und der altgediente Soldat und Indianerhasser: Rosalie Quaid (Rosamund Pike) und Captain Joseph Blocker (Christian Bale) begutachten die Lage tief in feindlichem Land. FOTO: Universum Film / Lorey Sebastian/Universum Film
Los Angeles. „Feinde – Hostiles“ von Scott Cooper ist ein spröder und brutaler Western mit großartiger Besetzung.

Erst der Bürgerkrieg, dann die Kämpfe gegen die Indianer, die Apatschen, Komantschen, Cheyenne – Captain Joseph Blocker hat in den 20 Dienstjahren bei der Kavallerie so manches durchgestanden und nie hat er aufgemuckt. Diesmal aber ist er fassungslos. Sein letzter Einsatz vor dem Ruhestand führt ihn ausgerechnet mit seinem schlimmsten Feind zusammen, nur eben nicht im Kampf.

Cheyenne-Häuptling Yellow Hawk stirbt am Krebs und darf deshalb zurück in sein Heimatgebiet. Blocker soll den Häuptling und seine Familie mit einer Handvoll Soldaten dorthin eskortieren. Er versteht die Welt nicht mehr. Unterwegs trifft die Expedition auf eine zerstörte Farm, wo Rosalee Quaid, die einzige Überlebende eines Massakers marodierender Apatschen, ihr totes Baby an sich presst. Blocker ist überrascht, mit welch großer Zuwendung Yellow Hawks Familie die verwirrte Frau in Pflege nimmt. Seine Sinne aber bleiben geschärft, denn der Ritt der Gruppe führt immer tiefer in feindliches Land.

Der Western unserer Zeit ist kein Produkt mehr für den Massenmarkt; daran änderte auch der Erfolg der Serie „Deadwood“ nichts. Die Folge: Die wenigen Titel, die es ins Kino schaffen, wirken oft ein wenig verkrampft, als müssten die Regisseure sich ganz besonders beweisen. Dieser Umstand hemmet auch die jüngste Regiearbeit des Filmautoren Scott Cooper. Der hat mit der Country-Ballade „Crazy Heart“, dem Hinterwaldkrimi „Auge um Auge“ und dem Gangsterfilm „Black Mass“ drei interessante Filme vorlgelegt, alle mit starken Momenten, aber etwas zu sehr gegen den Strich der Tradition des jeweiligen Genres gebürstet. Gleiches gilt auch für „Hostiles“, der seine Figuren so spröde daherkommen lässt, dass dagegen selbst die Spätwestern der frühen 70er Jahre geschmeidig wirken. Das ist insofern schade, weil Coopers Regiestil ein sorgfältiges Auge für das jeweilige Umfeld beweist; fast könnte seine Zeichnung des Soldatenalltags im Fort einem John-Ford-Western entsprungen sein. Cooper findet auch grandiose Panoramen und weiß, Szenen atmosphärisch zu verdichten. Aber wenn es an die Auflösung geht, zeigt er wenig Sinn für Abenteuer, sondern eher brutale Gewalt. Umso konzentrierter ist die Arbeit der Schauspieler, die alles zusammenhält und Momente von gigantischer emotionaler Größe schafft. Man mag sich streiten, welches Meisterwerk unter der Regie von Howard Hawks, William Wellman, John Sturges oder Sam Peckinpah möglich gewesen wäre. Scott Cooper ist ja nicht verkehrt. Er sollte nur eben lockerer werden.



USA 2017, 134 Min., Camera Zwo (Sb); Regie und Buch: Scott Cooper; Kamera: Masanobu Takayanagi; Musik: Max Richter; Darsteller: Christian Bale, Rosamunde Pike, Wes Studi, Adam Beach, Ben Foster, Rory Cochrane.