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Serie Angespielt
Weg von alten Tugenden

 Die Weitsicht ist grandios.
Die Weitsicht ist grandios. FOTO: Ubisoft
Zweibrücken. „Tom Clancy’s Ghost Recon: Breakpoint“ ist kein Höhepunkt der Action-Spieleserie. Von Jan Althoff

Ob das ein Fall von Stockholm-Syndrom ist? Oder welchen Grund mag es sonst haben, dass die Frau, die zu befreien uns aufgetragen wurde, weiter gefesselt auf dem Boden kniet und vor sich hinstarrt, anstatt ihre Fesseln zerschneiden zu lassen. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als sie ihrem Schicksal zu überlassen und die Mission zu ignorieren. Es ist nicht tragisch, denn es ist nur eine Nebenmission in Ubisofts Open-World-Actiontitel „Ghost Recon: Breakpoint“. Aber es nervt.

Leider ist es nicht der einzige Aspekt, der in diesem Spiel nervt. Da wäre zum Beispiel der Online-Zwang: Auch als Einzelspieler muss man ständig online sein, um spielen zu können. Wird die Verbindung unterbrochen – und das geschah im Test besonders im Hauptquartier des Widerstands zeitweilig im Minutentakt – landet man im Hauptmenü und kann sich anschließend für 20 Sekunden den Ladebildschirm anschauen. Da kann man nach ein paar Spielstunden die Tipps (es sind 74), durch die man sich währenddessen klicken kann, praktisch auswendig.

Oder das fürchterlich unübersichtliche Missions-System, für das man sich über eine über-bildschirmgroße Grafik in immer kleinere Verästelungen klicken muss. Oder das eigentlich überflüssige Crafting-System, für das die Spielfigur im Vorübergehen allen möglichen Kram aufsammelt, von der Blume bis zur Kokosnuss. Oder die unsichtbaren Barrieren, die den Bewegungsdrang des Spielers überraschend zum Beispiel an einem Geländer ausbremsen.



Oder die nur in den ersten fünf Minuten wirklich interessante Story um eine Spezialeinheit, die über einer geheimnisvollen Insel abgeschossen wird. Oder die Ausdauer, die unter Umständen bereits dauerhaft in den roten Bereich rutscht, wenn man ungeschickt einen Hang hinunterrutscht.

Kurz gesagt, „Breakpoint“ ist kein überzeugender Nachfolger für das wirklich gute „Wildlands“. Aber ist es nur schlecht? Nein, ist es nicht. Eine Zeit lang und wenn man genug Ausdauer mitbringt, macht der Titel durchaus Spaß.

Nicht zuletzt wegen der eher tumben Gegner kann man alleine oder mit menschlichen Mitspielern gegnerische Basen Stück für Stück auseinandernehmen. Häufig gibt es da analog zu den Alarmtürmen in „Far Cry“ einen Soldaten mit Funkersymbol, der Verstärkung anfordert, wenn die Kameraden Alarm schlagen. Ist der erst einmal gefunden und ausgeschaltet, braucht man sich eigentlich keine Sorgen mehr zu machen.

Sehr komfortabel auch der Fuhrpark, der nach Absolvierung der Tutorial-Missionen vor dem geheimen aber erstaunlich geräumigen Hauptquartier jederzeit bereitsteht und sogar über einen Hubschrauber verfügt. So gelangt man im Handumdrehen zu einer der unzähligen Haupt- und Nebenmission, bei denen man dann jedes Mal erst die nähere Umgebung mit der Drohne auskundschaftet und dann nach und nach die Gegner ausschaltet. Gelegentlich auch in bewohnten Gebieten, in denen dann merkwürdig unbeteiligte aber doch irgendwie verstört wirkende Zivilisten herumlaufen.

Wertung (Schulnote):3

 Die Landschaft sieht nicht nur aus der Luft, sondern auch am Boden sehr hübsch aus. Leider ist die Spielwelt recht leblos.
Die Landschaft sieht nicht nur aus der Luft, sondern auch am Boden sehr hübsch aus. Leider ist die Spielwelt recht leblos. FOTO: Ubisoft
 Diesen Ladebildschirm sieht man dank Verbindungsunterbrechungen viel zu oft.
Diesen Ladebildschirm sieht man dank Verbindungsunterbrechungen viel zu oft. FOTO: Ubisoft