| 23:20 Uhr

Sanierung des Theaters Trier
Umbau statt Neubau heißt die Losung

Blick auf einen Sanierungsfall: Das 1964 von Gerhard Graubner (1899-1970) erbaute, heute als marode geltende Theater Trier. 
Blick auf einen Sanierungsfall: Das 1964 von Gerhard Graubner (1899-1970) erbaute, heute als marode geltende Theater Trier.  FOTO: picture alliance / Christine Koenig / dpa Picture-Alliance / Christine Koenig
Trier . Die lange ersehnte Generalsanierung des Trierer Theaters soll endlich kommen und 48,8 Millionen Euro kosten. Von Christiane Wolff

Neue Erkenntnisse, wie das marode Trierer Stadttheater saniert werden kann, hat Kulturdezernent Thomas Schmitt bei der jüngsten Stadtratssitzung vorgestellt. Im Jahr 2016 hatte eine Machbarkeitsstudie für die Generalsanierung des Hauses noch 55 Millionen Euro ausgewiesen. Nun soll die Sanierung 48,8 Millionen kosten. Auf den ersten Blick also 6,2 Millionen Euro weniger. Für die 55 Millionen wäre aber in einer aufgestockten Etage oder einem Anbau deutlich mehr Platz geschaffen worden – zum Beispiel für Proberäume des Orchesters. Ohne diese Anbauten hatte die alte Studie die Generalsanierung auf 31,5 Millionen taxiert – also gut 17 Millionen Euro weniger als die nun ermittelten 48,8 Millionen.

Eine bloße Sanierung im Bestand kam für den Stadtrat und den damaligen Kulturdezernenten Thomas Egger allerdings nicht infrage: Der Platz würde ohne Aufstockung des Gebäudes nicht ausreichen, hieß es. Thomas Schmitt, Kulturdezernent seit April 2017, hat das von Ex-Intendant Karl Sibelius federführend ermittelte Raumprogramm deutlich abgespeckt.

Die Preissteigerung für die reine Sanierung des Theatergebäudes am Augustinerhof von 31,5 Millionen Euro auf 48,8 Millionen hängt zum einen damit zusammen, dass die allgemeinen Baukosten weiter angestiegen sind. In der Machbarkeitsstudie von 2016 seien außerdem einige Kosten nicht in der tatsächlich zu erwartenden Höhe berücksichtigt worden, erläuterte Schmitt. Zum Beispiel sei der Einbau eines Bühnenaufzugs rund 773 000 Euro teurer als 2016 berechnet, und die reine Sanierung der Gebäudehülle müsse mit 7,6 Millionen Euro zusätzlich veranschlagt werden.



 Der Flächenbedarf von 9856 Quadratmetern am Standort Augustinerhof, den Ex-Intendant Sibelius gefordert hatte, ist um 2360 Quadratmeter verringert worden. Möglich macht das unter anderem die Auslagerung der Werkstätten an den Grüneberg. Noch nicht geklärt ist, wo künftig die Probebühne inklusive Orchesterprobesaal untergebracht werden kann.

 Ein Neubau des Theaters am Augustinerhof würde nach den aktualisierten Berechnungen rund 65,6 Millionen Euro kosten. Diesen Posten hatte die Studie von 2016 deutlich teurer veranschlagt – nämlich mit mindestens 75 Millionen, bei hochwertiger Ausstattung mit 110 Millionen Euro. Dafür wäre der Neubau dann aber so groß geworden, dass alle Werkstätten, Probebühnen und Büros darin Platz hätten. Die zweite Spielstätte könnte nach der neuen Planung auf dem Eckgrundstück neben der Tuchfabrik (Tufa) gebaut werden. Kosten würde das rund 6,9 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die alte Machbarkeitsstudie hatte für eine zweite Spielstätte zwischen 12,5 und 20 Millionen Euro veranschlagt.

Auch einen Zeitplan hat Dezernent Schmitt parat: Schon im Januar 2019 könnte der Stadtrat den Grundsatzbeschluss fassen, bei der Theatersanierung auf den neuen Raum- und Kostenplan umzuschwenken. Im Januar 2020 sollen die Pläne für die Spielstätte neben der Tufa fertig sein. Bis Februar 2021 könnten die Sanierungs- und Finanzpläne für die Generalsanierung des Stadttheaters am Augustinerhof so weit vorliegen, dass der Stadtrat den Bau beschließen kann. Eingeplant sind gut drei Jahre Bauzeit.

 Als Ausweichmöglichkeit für den Theaterbetrieb während der Bauzeit wurden drei Alternativen geprüft: Die Anmietung einer fremden Halle inklusive Einbau der notwendigen Technik, Bühne und Tribüne würde inklusive Miete rund 4,3 Millionen Euro kosten. Die Miete eines Theaterzelts käme mit rund 3,9 Millionen Euro günstiger – die Betriebskosten für Heizung und Strom wären allerdings wohl hoch. Wird zunächst die Spielstätte an der Tufa neu gebaut, könnte der Stadttheaterbetrieb während der Generalsanierung in diesen Neubau verlegt werden. Anschließend stünde der 6,9 Millionen Euro teure Bau dann der Tufa zur Verfügung. Wegen ihrer guten Akustik könnte zudem auch die Europahalle als Interimsspielstätte für Opern und Konzerte genutzt werden.

Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) zufolge rechnet die Stadt mit einer Landesförderung von rund 30 Millionen Euro.