| 23:26 Uhr

Kino
Gemeinsames Abtauchen aus dem Alltag

Die Amateurgruppe hat viel vor, will sogar an der Weltmeisterschaft teilnehmen.
Die Amateurgruppe hat viel vor, will sogar an der Weltmeisterschaft teilnehmen. FOTO: Alamode Film / Alex Bailey/Alamode Film
London. „Swimming with Men“ von Oliver Parker ist eine hinreißende Komödie über Männer in der Krise. Von Martin Schwickert

(mars) Der 40. Geburtstag liegt schon ein paar Jahre zurück und die Midlife-Crisis hat Eric (Rob Brydon) nun mit voller Kraft erwischt. Jeden Tag fährt der versierte Buchhalter mit dem Vorortzug nach London in einen dieser seelenlosen Glastürme, wo die ganz großen Geschäfte gemacht werden. Wenn er von seinem langweiligen Zahlenverdreher-Job nach Hause kommt, wird er dort kaum beachtet.

Seine Frau Heather (Jane Harrocks) scheint in ihrer Arbeit als Lokalpolitikerin neben ihm und ohne ihn sehr viel glücklicher, als er es zu sein vermag. Aber Eric ist nicht nur ein Zahlenmann, sondern auch ein Wassermann. Jeden Donnerstag zieht er in der Schwimmhalle seine Bahnen und vergisst unter Wasser im ruhigen Rhythmus des Kraulens zumindest für eine Stunde seine kriselnde Existenz.

Hier trifft er eines Tages auf eine illustre Männergruppe, die sanft im Becken umher paddelt, um eine Stern-Formation zu bilden. Es ist eine verschworene Gemeinschaft von Herren unterschiedlichen Alters, in der jeder auf seine Weise aus der Bahn geraten ist: Schon bald bringt die patente Bademeisterin Susan (Charlotte Riley) die Idee auf, dass die Amateurgruppe zusammen bei den inoffiziellen Weltmeisterschaften teilnehmen könnte.



In einer scheinbar klassischen Sportfilm-Dramaturgie verhandelt Oliver Parkers hinreißende Komödie „Swimming With Men“ das Thema der maskulinen Midlife-Crisis mit sanfter Ironie und profundem Fachwissen. Im Wasser versammeln sich hier Männer, die mit ihrem eigenen Selbstverständnis als Familienversorger, Womanzier, liebender Ehemann oder krimineller Draufgänger auf ganz unterschiedliche Weise eingebrochen sind. B

Parker („Ernst sein ist alles“) findet einen ganz eigenen Erzählton, der von zärtlicher Komik, pointierter Sentimentalität und dem unverwechselbaren britischen Understatement geprägt ist. Dabei kann er auf ein exzellentes Herren-Ensemble zurückgreifen, das nuanciert und mit sichtbarem Genuss immer wieder Risse in die Männer-Stereotypen treibt.