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Abdelkarim in Saarbrücken
Flüchtlingskrise und Integrationsmängel mal auf witzig

Der Kabarettist Abdelkarim bei seinem Auftritt am Mittwochabend in der Saarbrücker Garage.
Der Kabarettist Abdelkarim bei seinem Auftritt am Mittwochabend in der Saarbrücker Garage. FOTO: Eric Kolling
Saarbrücken. „Staatsfreund Nummer eins“-Kabarettist Abdelkarim berichtete lässig-lustig aus seiner „Parallelwelt“. Es ging um Vorurteile, Klischees und die Politik. Die Menge der Besucher in der Saarbrücker Garage war dabei allerdings recht überschaubar. Von Eric Kolling

Laut Experten hat das Thema Flüchtlinge und Integration die Bundestagswahl entschieden. Über das Thema öffentlich mag in der Region auch knapp zwei Wochen danach kaum jemand öffentlich lachen. Könnte man zumindest aus den Besucherzahlen beim Kabarettisten Abdelkarim am Mittwoch in der Saarbrücker Garage ableiten. Gerade mal rund 110 Gäste wollten sich anschauen, wie sich „der Marrokaner deines Vertrauens“ in seinem Programm „Staatsfreund Nummer eins“ an Reichsbürgern, selbsternannten Islamexperten in Talkshows, Moslems und Parallelwelten abarbeitete. Präsentiert aus der Perspektive seiner eigenen Alltagserlebnisse und -beobachtungen nimmt er vor allem Klischees und Vorurteile gegen Muslime aufs Korn.

„Darf man Witze über den Islam machen? Ja klar – es kann nur sein, dass man dann keine Zeit mehr hat, die Pointe zu erklären“, frotzelte der 36-jährige gebürtige Bielefelder gegen Muslime. Mehrfach nahm er die Furcht vor Anschlägen aufs Korn. Für einen Umzug habe er etwa ein Fahrzeug gesucht, aber „für einen Moslem ist es im Moment sehr schwer, einen Lkw zu mieten“. Im Hinterkopf: der Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt vor einem Jahr. Einmal seien er und sein dunkelhäutiger Kabarettistenkollege Marius Jung am Bahnhof kontrolliert worden. Die Polizisten seien schnurstracks auf sie zu und hätten gedacht: „Da läuft unsere Beförderung!“ Seine kreative Abhilfe gegen künftige Übergriffe wie in der Kölner Silvesternacht 2015/16: schwule Männer. „Die sollen die Moslems eingrenzen und antanzen. Nichts fürchten Muslime so sehr wie das.“

Abdelkarim, seit 2008 im Geschäft, medial bekannt etwa aus „Heute Show“, „Die Anstalt“, „Pussy Terror TV“, Schlachthof“ oder „Fun(k)haus“ und seiner eigenen Reihe „StandUpMigranten“, witzelt schlagfertig mit Zuschauern aus den ersten Reihen über Migranten in Burbach und Völklingen.

Beim Thema AfD wird er ganz offen politisch: „Jeder Achte hat sie gewählt. Jeder Achte hier im Raum denkt also: Der auf Bühne da – das muss nicht sein.“ Das alles ist knappe zwei Stunden lang gefällig, lässig und doch pointiert, aber weit vom Biss etwa eines Serdar Somuncu entfernt. Ein Abend, der immerhin den Anwesenden in der Saarbrücker Garage das Flüchtlingsthema humoristisch näher brachte.