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Nach Vaterschaftsklage
Exhumierung von Dalí verzögert sich

Der spanische Künstler Salvador Dalí im Jahr 1968.
Der spanische Künstler Salvador Dalí im Jahr 1968. FOTO: Horst Ossinger / dpa
Madrid. Vaterschaftsklage: Hatte der offiziell kinderlos gebliebene Maler Salvador Dalí eine uneheliche Tochter? Ein DNA-Test soll diese Frage bald beantworten. Dazu sollte die Leiche Dalís eigentlich schon bald aus dem Grab geholt werden. Doch es gibt (tonnenschwere) Probleme.

(dpa) Die zur Klärung einer Vaterschaftsklage angeordnete Exhumierung des Leichnams des legendären spanischen Künstlers Salvador Dalí wird sich wohl verzögern. Es sei „praktisch unmöglich“, den von der Justiz vorgeschlagenen Termin am 20. Juli einzuhalten, sagte im Fernsehen die zuständige Bürgermeisterin der katalanischen Stadt Figueres, Marta Felip.

Die Leiche liege im städtischen „Theater-Museum Dalí“ in Figueres unter zwei Steinabdeckungen, die jeweils bis zu eineinhalb Tonnen schwer seien, sagte Felip am Donnerstagabend. Die Exhumierung könne deshalb nicht wie bei einem normalen Grab stattfinden.

Man benötige ein Gutachten der Behörde zur Bewahrung des katalanischen Kulturerbes. Es gehe unter anderem darum, ob man die Abdeckungen mit einem Kran anheben oder sich aber anders Zugang zur Krypta verschaffen solle, betonte die Bürgermeisterin.



Eine Richterin hatte im Juni die Vaterschaftsklage der Spanierin Pilar Abel Martínez zugelassen und die Exhumierung der Dalí-Leiche zur Erstellung eines DNA-Gutachtens angeordnet. Abel Martínez (61) versichert, ihre Mutter habe Mitte der 1950er Jahre eine heimliche Liebesbeziehung zu dem Surrealismus-Künstler unterhalten.

„Ich bin die erste, die nicht will, dass da etwas kaputt gemacht wird. Wenn man etwas mehr Zeit benötigt, ist das kein Problem“, sagte Abel Martínez am Freitag im spanischen Fernsehen. Ihr Anwalt Enrique Blánquez ergänzte, man habe zwar Verständnis, wolle aber auf keinen Fall zulassen, dass eventuell eine Verzögerungstaktik angewandt werde.

Abel Martínez kämpft nach eigenen Worten um das Recht, den Namen des berühmten Malers, Bildhauers und Grafikers tragen zu können. Ihr würde aber auch ein millionenschwerer Pflichterbteil zustehen. Sein Vermögen und die Rechte auf seine Werke hinterließ Dalí, dessen Ehe mit Gala (1894-1982) kinderlos geblieben war, dem Staat sowie der Stiftung „Fundación Gala – Salvador Dalí“.

Der Maler mit dem Zwirbelbart starb 1989 im Alter von 84 Jahren an Herzversagen. Auf eigenen Wunsch wurde er in seinem Geburts- und Sterbeort Figueres unter der Glaskuppel seines „Theater-Museum Dalí“ beigesetzt. „Die Beständigkeit der Erinnerung“, auch „Die zerrinnende Zeit“ oder „Die weichen Uhren“ genannt, das er 1931 mit nur 27 Jahren malte, ist sein wohl bekanntestes Gemälde, zu sehen im New Yorker Museum of Modern Art.

(dpa)