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Filme
Viele Preise bei den Oscars von Europa

 Wim Wenders (links), Regisseur und Präsident der Europäischen Filmakademie (EFA), umarmt Regisseur Werner Herzog (EFA Lifetime Achievement Award) zu dessen Auszeichnung.
Wim Wenders (links), Regisseur und Präsident der Europäischen Filmakademie (EFA), umarmt Regisseur Werner Herzog (EFA Lifetime Achievement Award) zu dessen Auszeichnung. FOTO: dpa / Britta Pedersen
Berlin. Die skurrile Königshofgeschichte „The Favourite“ gewinnt den Europäischen Filmpreis und sticht das deutsche Drama „Systemsprenger“ aus. Besonders wichtig bei der Gala: die Videobotschaft.

(dpa) Mit acht Auszeichnungen ist die Historiengroteske „The Favourite“ der große Gewinner beim Europäischen Filmpreis. Die Satire von Yorgos Lanthimos wurde am Samstagabend in Berlin zum besten europäischen Film gewählt. Das deutsche Drama „Systemsprenger“ ging dagegen in zwei wichtigen Kategorien leer aus, auch Schauspieler Alexander Scheer gewann für seine Rolle in „Gundermann“ nicht.

In „The Favourite“ spielt Olivia Colman die übellaunige Queen Anne, um deren Gunst zwei Frauen buhlen. Die Britin hatte dafür einen Oscar gewonnen, nun folgte ein Europäischer Preis. Der Grieche Lanthimos („The Lobster“) wurde für die beste Regie geehrt. Weitere Preise gab es für Kamera, Schnitt, Kostüm, Maske und als beste Komödie.

Der Europäische Filmpreis wird jährlich wechselnd in Berlin und in einer anderen europäischen Stadt vergeben. Die mehr als 3600 Mitglieder der Europäischen Filmakademie stimmen über viele Preisträger ab – ähnlich wie beim Oscar in den USA.



Doppelt nominiert war das Drama „Systemsprenger“ der Regisseurin Nora Fingscheidt. Die elfjährige Helena Zengel spielt darin ein Mädchen, das zu heftigen Gewaltausbrüchen neigt. Das Drama soll für Deutschland ins Rennen um den Auslands-Oscar gehen. In Berlin reichte es nicht für den besten Film und die beste Hauptdarstellerin. „Systemsprenger“ erhielt jedoch eine Auszeichnung für die Musik.

Bester Darsteller wurde der Spanier Antonio Banderas. Im Drama „Leid und Herrlichkeit“ von Pedro Almodóvar spielt er einen hadernden Regisseur. Banderas schickte zum Dank einen Videogruß. Überhaupt war die Videobotschaft diesmal wichtig – denn viele Preisträger waren nicht in Berlin. So bedankte sich auch Colman in einem Kurzfilm. Regisseur Lanthimos wurde von seinen Produzenten vertreten.

Der in München geborene Regisseur Werner Herzog („Fitzcarraldo“) bekam einen Ehrenpreis für sein Lebenswerk. Er habe unendlich viel Enthusiasmus, sagte sein Kollege Wim Wenders. Er könne für etwas brennen und sei bereit, dafür an Grenzen zu gehen“. Die französische Schauspielerin Juliette Binoche wurde für ihr Engagement für das Kino geehrt.

Auch die Macher der Fernsehserie „Babylon Berlin“ erhielten eine Auszeichnung. Der Drehbuchpreis ging an die Französin Céline Sciamma für „Porträt einer jungen Frau in Flammen“. Als bester Dokumentarfilm setzte sich „For Sama“ von Waad al-Kateab und Edward Watts durch, der einen persönlichen Blick auf die Krise in Syrien wirft.

Insgesamt sechs Filme waren als bester Film nominiert. Neben „Systemsprenger“, „The Favourite“ und „Leid und Herrlichkeit“ waren es das Mafiadrama „The Traitor“, das Sozialdrama „Les Misérables“ und der Film „An Officer and a Spy“ („J‘accuse“) von Roman Polanski. Mitte November war es nach neuen Vergewaltigungsvorwürfen gegen Polanski bei einer Premiere seines Films in Paris zu Protesten gekommen. Polanskis Anwalt hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Beim Europäischen Filmpreis ging Polanski leer aus. Im nächsten Jahr wird der Preis im isländischen Reykjavik vergeben. Die Auszeichnung für den besten europäischen Film hatten in der Vergangenheit schon mehrere deutsche Regisseure geholt, etwa Fatih Akin mit „Gegen die Wand“ und Maren Ade mit „Toni Erdmann“.

(dpa)