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Neue CDs
Es lebe die Vielfalt: DJ Kozes neues Elektro-Album

Berlin. Von Klaus-Peter Gabriel

In den frühen 90ern mischte DJ Koze mit der Combo „Fish­mob“ ganz Hip Hop-Deutschland auf. Eigene Projekte anderer Genres und Remixe von namhaften Künstlern wie etwa Blumfeld folgten. Mittlerweile ist seine Kunst im elektronischen Genre einzuordnen. Wie eh und je verbindet DJ Koze verschiedenste Stile, Geräusche oder fixe Ideen zu einem ganz eigenen Sound.

Mit dem 2013 veröffentlichten Album „Amygdala“ landete er nicht nur in den Charts, er erhielt dafür auch den „Echo“-Kritikerpreis. Liebhaber der Musik des mit bürgerlichen Namen Stefan Kozalla heißenden Tausendsassas müssen sich aber nicht sorgen: DJ Koze beweist mit seinem neuen Album „Knock Knock“, dass er längst noch nicht im Mainstream angekommen ist. Als Downtempo-Beat mit schwerem Bass, Geigen und vorbeihuschenden elektronischen Elementen beginnt es, um schon mit der zweiten Nummer „Bonfire“ funkig anmutende Stimmungswechsel zu setzen. Von Bon Ivers’ Falsettstimme abgerundet, folgt man der Melodie, als sei sie das Licht am Ende des Tunnels. Für sein neues Album, auf dem er nach Belieben Phrasen loopt und zerlegt, bündelt DJ Koze unterschiedlichste Künstler (von Lambchop-Kopf Kurt Wagner bis Róisín Murphy) und Genres. Rapper Speech gleitet bei „Colours of Autumn“ angenehm über funkige, groovige Töne, während Rose Gonzales uns auf eine Zeitreise in die 70er mitnimmt. Bei „Planet Hase“ (mit Mano Le Tough) hat man das wunderbar seltene Gefühl, wieder spielend in seinem Kinderzimmer zu sitzen; „Pick Up“ klingt wie die ultimative Disco-Nummer von 2018.

Im letzten der 16 Songs („Drone me Up, Flashly“) haucht Sophia Kennedy stimmlich Soundflächen dahin, wozu die legendäre Hildegard Knef in ihrem unverwechselbaren Sprechgesang eine Szene beschreibt, die einen über die Entschleunigung der Zeit nachdenken lässt. Mehr Vielfalt kann man kaum verlangen.



DJ Koze: Knock Knock (Pampa
Records)

Cover von DJ Kozes "Knock Knock"
Cover von DJ Kozes "Knock Knock" FOTO: Digipac