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Film der Woche
Er lässt die Leinwand leuchten

Jorge Mario Bergoglio wurde als erster Jesuit Bischof von Rom – und damit neuer Papst.
Jorge Mario Bergoglio wurde als erster Jesuit Bischof von Rom – und damit neuer Papst. FOTO: Verschiedene
Rom. „Papst Franziskus — Ein Mann seines Wortes“ von Wim Wenders ist ein starkes Porträt. Von Uwe Mies

Das ist schon ein sehr melodramatischer Beititel, den Wim Wenders seinem Film über das amtierende Oberhaupt der katholischen Kirche mitgegeben hat. Ein Mann seines Wortes, das könnte auch ein amerikanisches Anwaltsdrama aus den 50er Jahren sein, besetzt mit Frederic March oder Henry Fonda. Gegen deren edlen Ernst in der Darstellung integrer Typen nimmt sich der reale Held aus Wenders‘ filmischem Porträt ausgesprochen charmant und volksnah, in einem Wort bodenständig aus.

Fünf Jahre ist es nun schon her, dass „Wir“ nicht mehr Papst sind und der Argentinier Jorge Mario Bergoglio als erster Jesuit mit dem Arbeitsnamen Franziskus 266. Bischof von Rom wurde und damit sein Amt als neuer Papst antrat. Der Mann, der sich in der Tradition des Franz von Assisi der Seelsorge der Armen widmet, Bescheidenheit predigt und über einen charmanten Sinn für Humor verfügt, steht in der Amtskirche nicht unumstritten da. Gerade hoch gestellte Würdenträger zeigten sich der neuen seelsorgerischen Prioritätenskala gegenüber eher skeptisch gestimmt. Der Vatikan trat an Wim Wenders für ein Filmporträt heran und der bekam Carte Blanche für einige Monate Dreharbeiten im engsten Umfeld während Audienzen und Dienstreisen sowie vier Einzelinterviews.

Es kommt nicht häufig vor, dass einem Papst im Amt ein weltweit in den Kinos lancierter Dokumentarfilm zur Ehre gereicht. Eher die Regel ist ein posthum realisiertes Filmporträt wie zuletzt 2003 „Johannes XXIII. – Für eine Welt in Frieden“ mit Bob Hoskins als Angelo Roncalli. Hier nun liegt der Fall anders. Um Druck von Seiner Heiligkeit abzulenken, benötigte man einen Werbefilm, den Wim Wenders entgegen seiner sonstigen Manierismen als klar formulierte Charmeoffensive für denkende Leute inszeniert und montiert hat. Der Film ist in seiner zunächst chronologisch angelegten, dann aber weitgehend begleitenden Erzählstruktur zwar konventionellen Mustern verpflichtet, kann sich aber genau deshalb immer wieder zu begeisternden Momenten von unverstellter Menschlichkeit aufschwingen und in den ernsteren, besinnlicheren Momenten auch zum Nachdenken anregen.



Ein klares Bekenntnis zu Mitgefühl und Herz durchatmet den Film so sehr, dass es nicht der allzu obligatorischen Einstellungen bedurft hätte, wo Franziskus Gefängnisinsassen den Segen gibt und Ghettobewohnern die Füße wäscht. Wenn dieser Papst über das Leben reflektiert, auch das eigene nach dem morgendlichen Aufstehen, dann leuchtet die Leinwand. Das hat Wenders gut gemacht.