| 23:26 Uhr

Film der Woche
Ein spektakuläres Effektgewitter

Owen (Chris Pratt) muss sich vorsehen, denn der T-Rex sieht noch ziemlich hungrig aus . . . 
Owen (Chris Pratt) muss sich vorsehen, denn der T-Rex sieht noch ziemlich hungrig aus . . . 
„Jurassic World: Das gefallene Königreich“ von J.A. Bayona: Explosives Wiedersehen mit den Riesenechsen. Von Martin Schwickert

In Sachen Nachhaltigkeit hat Hollywood in den letzten Jahren die Nase vorn. Geradezu vorbildlich bedient man sich hier in der gelben Tonne der Filmgeschichte, recycelt Bekanntes und Bewährtes aus vergangenen Jahrzehnten und hofft auf die Wiederholbarkeit von Kassenerfolgen aus den 70er, 80er und 90ern. Die neue Star-Wars-Generation mit jährlichen Fortsetzungen und Spin Offs gibt hier als Vorbild den kommerziellen Ton an.

Vor drei Jahren wurde Steven Spielbergs „Jurassic Park“ aus dem Jahre 1993 in die Wiederverwertungsmühle eingespeist. Das Relaunch „Jurassic World“ gedieh mit einem weltweiten Einspielergebnis von über 1,6 Milliarden Dollar ganz prächtig und nun kommt der zweite Teil als leicht konsumierbares Sommerspektakel in die Kinos.

Eine hoch gesicherte Dinosaurier-Insel wird hier von einem Vulkanausbruch heimgesucht. Im Gegensatz zur US-Regierung setzt sich die Tierschutzaktivistin Claire (Bryce Dallas Howard) für die Rettung der genetisch mutierten Arten ein. Unverhoffte Unterstützung bekommt sie dabei von dem schwerreichen Dino-Forscher Benjamin Lockwood (James Cromwell), der für die Reptilien ein Reservat fernab der Menschheit einrichten will. Gemeinsam mit ihrem zukünftigen ehemaligen Ex-Lover Owen (Chris Pratt), der paläontologischen Veterinärin Zia (Daniella Pineda) und dem Computer-Bübchen Franklin (Justice Smith) macht sie sich auf zur von Lava-Bächen durchfluteten Insel.



Aber schon bald stellt sich heraus, dass Franklins Geschäftsführer Mills (Rafe Spall) die Tiere nicht retten, sondern zur genetischen Kriegsführung meistbietend an dubiose Finstermänner verkaufen will. Damit nicht genug hat das Unternehmen im Keller einen Super-Dino zu einer fernsteuerbaren Mordwaffe herangezüchtet. Tierbefreiung und Menschheitsrettung stehen gleichermaßen auf der Agenda des Heldenquartetts, wobei die Riesenechsen die guten Absichten ihrer Retter nicht immer zu erkennen geneigt sind.

Immerhin wird hier der Gefahr, die von den Tieren ausgeht, nicht mit Aggression und Vernichtung begegnet und auch vor den Folgen der Gen-Technologie darf Jeff Goldblum in zwei kurzen Gastauftritten warnen. Aber damit ist dann auch schon genug mit Subtext. Auch dieser Film bleibt dem Jurassic-Geist treu und stellt das Spektakel ins Zentrum des narrativen Interesses: Weit aufgerissene Reptiliengebisse im Breitwandformat, jede Menge Weggerenne vor herannahenden Riesenviechern und ein paar Bösewichte, die eindrucksvoll an die Digitalmonster verfüttert werden.

Die Schauwerte von der Festplatte stimmen, aber die ohnehin eher bescheidenen Leistungen der Humanbelegschaft verschwimmen zunehmend im Effektgewitter. Pratt gibt wieder einmal routiniert den schlagkräftigen Abenteurer und Bryce Dallas Howard scheint mehr um die Makellosigkeit ihres Make-Ups besorgt als um die herannahenden Gefahren.

Für jüngere Zuschauer bietet der Film hinreichende Traumatisierungsmöglichkeiten. Dazu gehört etwa die Verfolgungsjagd, in der ein Kind von schnappenden Dinos in die Enge getrieben wird, was den Willen der Filmemacher dokumentiert, oberflächliche Spannungsmomente um jeden Preis generieren zu wollen. Die FSK 12 sollte hier auf jeden Fall ernst genommen werden.

USA/Spanien 2018, 129 Minuten; Regie: J.A. Bayona; Buch: Colin Trevorrow, Derek Connolly; Kamera: Oscar Faura; Musik: Bernat Vilaplana; Darsteller: Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Ted Levine, Rafe Spall.

Jetzt mal sachte, Dinos, sonst gibt es was auf die freche Schnauze!
Jetzt mal sachte, Dinos, sonst gibt es was auf die freche Schnauze!