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Zum Tod von Doris Day
Doris Day ist tot

Los Angeles/Carmel. Die Schauspielerin ist im Alter von 97 Jahren gestorben. Ihre Komödien an der Seite von Rock Hudson wurden Kinoklassiker, auch mit Hitchcock hat sie gedreht. Von Barbara Munker

Die Filmwelt trauert um Hollywoods blonden Star mit dem sauberen Sex-Appeal. Doris Day ist im Alter von 97 Jahren gestorben, wie ihre Tier-Stiftung gestern in Los Angeles mitteilte. In den kleinen Küstenort Carmel, zwischen Los Angeles und San Francisco, hatte sich Day Ende der 1970er Jahre zurückgezogen. Dort engagierte sich der Star, die einst mit Hollywoodgrößen wie Cary Grant, James Stewart und Rock Hudson drehte, bis ins hohe Alter als leidenschaftliche Tierschützerin. „Bei mir dreht sich alles um die Vierbeiner“, hatte die Künstlerin kurz vor ihrem 90. Geburtstag gesagt. Statt Geschenke wünschte sie sich Spenden für ihre Tierschutz-Organisation „Doris Day Animal Foundation“.

Als Doris Mary Ann Kappelhoff kam sie 1922 im US-Bundesstaat Ohio zur Welt, ihre Eltern waren Kinder deutscher Einwanderer. „Ich bin stolz auf meine deutsche Herkunft und fühle mich geehrt, in die deutsch-amerikanische Ruhmeshalle aufgenommen zu werden“, ließ Day per Brief mitteilen, als sie 2017 Mitglied der virtuellen „German-American Hall of Fame“ (Gamhof) wurde. Das hatten vor ihr bereits Deutschstämmige wie die Magier Siegfried & Roy, der frühere Präsident Dwight D. Eisenhower und der Physiker Albert Einstein geschafft. Als Frau Kappelhoff hätte sie es im US-Show-Business vermutlich nicht so weit gebracht. Als Doris Day eroberte das blonde Multitalent in den 40er- und 50er Jahren die Hitparaden und als „America‘s Sweetheart“ die Herzen der Kinofans.

Als Teenager im US-Staat Ohio musste sie ihren Traum von einer Tanzkarriere nach einem schweren Autounfall aufgeben. Sie nahm Gesangsunterricht, tourte mit Jazz-Bands und machte Songs wie „Sentimental Journey“ und „Que Sera, Sera“ zu Hits. Regisseur Michael Curtiz entdeckte ihr Schauspieltalent, und Warner Bros. stellte die Sängerin 1948 für „Zaubernächte in Rio“ erstmals vor die Kamera, Dutzende Filme folgten.



In Alfred Hitchcocks „Der Mann, der zuviel wusste“ und später in dem Thriller „Mitternachtsspitzen“ von David Miller bewies sie ihr Talent als Charakterdarstellerin. Doch Hollywood nahm Day mit Musicals und leichten Komödien in Beschlag. In den 50er- und 60er-Jahren wurden Day und Rock Hudson nach „Bettgeflüster“ als Leinwand- Traumpaar gefeiert. Mit der harmlosen Sex-Komödie verdiente sich Day ihre einzige Oscar-Nominierung.

Mit sauberem Sex-Appeal setzte die Blondine ihre Verführungskünste auch in den Filmen „Ein Hauch von Nerz“ und „Spion in Spitzenhöschen“ ein. Im richtigen Leben hatte Day mit Männern weniger Glück. Mit 19 ein Kind, wenig später die erste Scheidung, mit 29 Jahren den dritten Ehemann. Als Days Ehemann und Manager Marty Melcher 1968 starb, hatte er ihr Vermögen weitgehend durchgebracht, schrieb die Schauspielerin 1975 in ihren Memoiren. 1981 wurde sie vom vierten Ehemann geschieden. 2004 starb ihr einziger Sohn, Plattenproduzent und Songwriter Terry Melcher, an Krebs.

Vom Verband der Auslandspresse, der die Golden-Globe-Trophäen verleiht, erhielt Day 1989 einen Sonderpreis für ihr Lebenswerk. 2004 ehrte US-Präsident George W. Bush die „amerikanische Ikone und Bereicherung der Kultur“ mit der Freiheitsmedaille, dem höchsten zivilen US-Orden. 2008 kam eine Grammy-Trophäe als Auszeichnung für ihre musikalischen Verdienste hinzu. Mit 89 Jahren kam Day mit dem Album „My Heart“ noch einmal in die Hitparade: Das Album mit bis dahin unveröffentlichten Titeln aus früheren Jahrzehnten schaffte auf Anhieb den Sprung unter die englischen Top Ten.

  Doris Day 1989. Da hatte sie sich vom Kino schon zurückgezogen.
Doris Day 1989. Da hatte sie sich vom Kino schon zurückgezogen. FOTO: dpa / -