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Seltene Skizzen von Donald Duck und eines der ersten Micky-Maus-Bücher
Disney-Ausstellung in Mainz startet morgen

Kunststoff-Comicfiguren aus unterschiedlichen Epochen stehen in einer Glasvitrine bei der Sonderausstellung „Walt Disney – Mickey, Donald & Friends“ im rheinland-pfälzischen Landesmuseum in Mainz.
Kunststoff-Comicfiguren aus unterschiedlichen Epochen stehen in einer Glasvitrine bei der Sonderausstellung „Walt Disney – Mickey, Donald & Friends“ im rheinland-pfälzischen Landesmuseum in Mainz. FOTO: Andreas Arnold / dpa
Mainz. Seltene Skizzen von Donald Duck und eines der ersten Micky-Maus-Bücher sind in einer Sonderausstellung in Mainz zu sehen. Dabei wird klar: Nicht immer haben die Figuren aus Entenhausen so ausgesehen wie heute.

Orangefarbene Entenspuren weisen den Besuchern den Weg in die neue Ausstellung im Landesmuseum in Mainz. Die Tapser führen hin zu fast 300 Skizzen, Vorzeichnungen und Comics aus der Welt von Entenhausen. Die Ausstellung „Walt Disney – Mickey, Donald & Friends“ geht ab dem morgigen Mittwoch der Frage nach, wer die Künstler waren, welche die Comic-Charaktere erfanden und sie lebendig werden ließen. Museumsdirektorin Birgit Heide sagt bei der Vorstellung der Schau, erstmals schlage eine Ausstellung in Deutschland den Bogen von den Altmeistern der Disney-Comics zu den aktuellen Stars.

Gleich im ersten Raum der Schau herrscht eine Studio-Atmosphäre. Die Besucher finden sich an einem von unten beleuchteten Zeichentisch wieder, an welchem einst Skizzen entstanden sind. An den Wänden finden sich Informationen zu Walter Elias (Walt) Disney und seinen berühmtesten Zeichnern. Und zwar in Form eines vergilbten Zeitungsartikels der 30er Jahre, wie Ausstellungskurator Eduard Sebald erklärt. Denn viele der Comics erschienen zunächst in Zeitungen.

Die Ausstellung vollzieht auch die einzelnen Entstehungsschritte eines Comics nach. Zunächst fertigten die Zeichner dabei ein Scribble, eine sehr grobe Vorzeichnung in hellblau. Auf dem gleichen Blatt wurden Korrekturen in rot und orange eingezeichnet, dann folgte die Bleistift- oder Tuschezeichnung. Schließlich wurde das Bild fotografiert und die Farben weggefiltert; am Ende des Prozesses stand die Kolorierung. „Wir vergleichen die Produktionsweise damals und heute. Ich kann verraten: Sie ist so gut wie identisch“, sagt Kurator Sebald.



Verändert haben sich allerdings die Figuren. Die Schau zeigt zum Beispiel Donald Duck noch mit langem Hals und Schnabel. Merchandising-Artikel wie Porzellanfiguren und ein Art-Deco-Service veranschaulichen, dass Micky Maus von Anfang an ein beliebter Schmuckgegenstand war. Selbst im Deutschland der 1930er Jahre fand er sich auf Bohnerwachs-Dose wieder – allerdings ganz anders gezeichnet und in der falschen Schreibweise „Micki“, weil die Produzenten keine Originalvorlage hatten. Ansonsten ist „Mickey“ die englische Schreibweise, „Micky“ die deutsche.

Viele der ausgestellten Zeichnungen stammen aus der Sammlung Ina Brockmann und Peter Reichelt. Das Landesmuseum zeigt außerdem einige der Tusche- und Bleistiftzeichnungen von Kultzeichner Carl Barks, die das Museum schon in den 90er Jahren erworben hatte. Hinzu kommen großformatige Porträts von Donald von Zeichner Ulrich Schröder. Ein besonderer Liebling von Kurator Sebald: Das erste Micky-Maus-Buch „The Adventures of Mickey Mouse“ aus dem Jahr 1931.

„In meiner Jugend war die Frage: Ist das Schund oder nicht?“, erzählt Sebald. „Heute ist das vollkommen aus der Welt. Deswegen gehört es auch ins Museum“, sagt er. Ähnlich sieht es der rheinland-pfälzische Kulturstaatssekretär Salvatore Barbaro (SPD). Noch ehe bei der Vorstellung am Montag der Vorwurf geäußert wird, dass sich das Museum mit der Ausstellung beim Publikum beliebt machen will, sagt er: Das ist keine Anbiederung an das Publikum. „Museen müssen auf Menschen zugehen.“ Wenn das Publikum dann noch merke, dass Museen mehr seien als alte Steine – dann sei viel gewonnen.

Mehr als 50 000 Besucher erwarten die Organisatoren bis Ende Juli. Die Welt von Walt Disney soll während dieser Zeit auch in der ganzen Stadt präsent sein, etwa in Form eine Micky-Maus-Figur auf dem Gutenbergplatz. Außerdem gebe es einen Disney-Bus der Mainzer Mobilität, erklärt der Mainzer Wirtschaftsdezernent Christopher Sitte. „Das Thema Disney-Ausstellung soll in diesem Jahr in der Innenstadt sehr, sehr präsent sein.“

Zum umfangreichen Begleitprogramm der Sonderausstellung gehören ein Open-Air-Kino im Innenhof des Museums, eine Comic- und Trickfilmwerkstatt für Kinder sowie mehrere Vorträge von Experten. „Man ist immer erstaunt, wie viele Donaldisten es doch gibt“, sagt Direktorin Heide. Außerdem haben die Ausstellungsmacher zwei der deutschen Zeichner eingeladen, Jan Gulbransson und Ulrich Schröder. Dabei sollen auch die „Ducks in Mainz“ gezeichnet werden.

Die Mainzer Sonderausstellung „Walt Disney – Mickey, Donald & Friends“ im rheinland-pfälzischen Landesmuseum geht vom 14. März bis 29. Juli. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag zehn bis 17 Uhr, Dienstag zehn bis 20 Uhr. Eintrittspreise: Erwachsene zwölf Euro, ermäßigt neun Euro, Kinder ab sechs Jahren sieben Euro.