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„Die brillante Mademoiselle Neïla“
Diskurs über die Macht der Sprache

Die junge Studentin Neïla Salah (Camélia Jordana) gerät an der Uni in Paris mit einem eitlen Professor aneinander.
Die junge Studentin Neïla Salah (Camélia Jordana) gerät an der Uni in Paris mit einem eitlen Professor aneinander. FOTO: Verschiedene
Paris. „Die brillante Mademoiselle Neïla“ von Yvan Attal ist eine eigensinnige Komödie.

(mars) Neïla (Camélia Jordana) hat es geschafft. Trotz Migrationshintergrund und unterprivilegierter Vorstadtkindheit hat sie eine Studienplatz an der renommierten Pariser Assas Law School bekommen. Aber schon der erste Tag an der beliebten Universität wird zum Desaster. Als sie zu spät zur Vorlesung kommt, unterbricht Professor Pierre Mazard (Daniel Auteuil) seinen Vortrag, fragt nach ihrem Namen und lässt vor raunender Studentenschar einige spitze, rassistische Bemerkungen fallen.

Die verbalen Ausfälle von Professor Mazard landen umgehend auf Youtube und der Dozent schon bald im Zimmer des Universitätsleiters. Ein Untersuchungsausschuss sei unvermeidlich. Um sein eigenes und das Ansehen der Institution reinzuwaschen, soll Mazard die neue Studentin Neïla auf einen Rhetorik-Wettbewerb vorbereiten.

Schon beim ersten Treffen liegen sich Lehrer und Schülerin wieder in den Haaren. Aber Mazard mag ein Chauvinist und ein Unsympath sein, vor allem jedoch ist er ein intellektueller Querkopf.



In seiner auf Versöhnung ausgerichteten Grunddramaturgie ist Yvan Attals neuer Film „Die brillante Mademoiselle Neïla“ vielleicht ein wenig vorhersehbar geraten, aber das Werk zeigt auch, dass der Abbau von gegenseitigen Vorurteilen echte Schwerstarbeit ist. Genauso wie Mazard gezwungen ist, seine eigenen Ressentiments gegen vermeintlich kulturlose Vorstadtjugendliche zu hinterfragen, muss die junge Neïla sich durch die Verteidigungswälle des akademischen Zynismus‘ schlagen.