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Die Welt in Augenhöhe

Berlin. Er war dabei, als der junge US-Soldat Elvis Presley seinen Dienst im hessischen Friedberg antrat. Er war dabei, als Jackie Kennedy betend am Sarg ihres ermordeten Schwagers Robert Kennedy saß. Und er fotografierte das von Sorgen gezeichnete Gesicht des soeben zurückgetretenen Bundeskanzlers Willy Brandt in Nahaufnahme Von den Merkur-Mitarbeitern Nicole Büsing und Heiko Klaas

Berlin. Er war dabei, als der junge US-Soldat Elvis Presley seinen Dienst im hessischen Friedberg antrat. Er war dabei, als Jackie Kennedy betend am Sarg ihres ermordeten Schwagers Robert Kennedy saß. Und er fotografierte das von Sorgen gezeichnete Gesicht des soeben zurückgetretenen Bundeskanzlers Willy Brandt in Nahaufnahme. Wichtige Ereignisse und schicksalhafte Momente scheinen den 1929 in Berlin geborenen Fotoreporter Robert Lebeck schon immer magisch angezogen zu haben. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, gehört zu den Grundtugenden eines guten Pressefotografen. Dann aber den entscheidenden Augenblick mit der Kamera so zu verdichten, dass ein Bild dabei herauskommt, das dem Betrachter unter die Haut geht, beherrschen nicht alle. Robert Lebeck, einer der wichtigsten Bildjournalisten der Nachkriegszeit, gehört zu den Großen seines Fachs. Der Berliner Martin-Gropius-Bau widmet dem Autodidakten jetzt unter dem Titel "Robert Lebeck. Fotografien 1955-2005" eine große Retrospektive. 450 Fotografien, fast ausschließlich in schwarz-weiß, versammelt die Schau, die sich auf die 50er bis 80er Jahre konzentriert. Zu dieser Zeit war Lebeck im Auftrag der Illustrierten "Kristall", "Revue" und "Stern" in aller Welt unterwegs, um mit seiner Kamera Augenblicke einzufangen, von denen viele heute als historisch gelten. Auf die Frage, wann ein Bild gut sei, sagte er einmal: "Wenn es auf einer Doppelseite gedruckt wird."Lebeck, der zunächst Völkerkunde studierte, kam auf Umwegen zur Fotografie. Während eines Aufenthalts bei seinem Onkel in New York, der als Art Director für ein Magazin arbeitete, entdeckte er die amerikanischen Magazine "Life" und "Look". Deren Betonung lag auf aufwändigen Fotostrecken. Solche Bilder wollte Lebeck machen, dynamische Großaufnahmen mit Pepp, keine briefmarkengroßen Illustrationen für langweilige Reportagen.Die Berliner Ausstellung zeigt natürlich auch Fotografien der Großen und Prominenten: Konrad Adenauer und Andy Warhol, Leonid Breschnew und Joseph Beuys, Herbert von Karajan und Romy Schneider. Daneben aber hat Lebeck seine Kamera immer wieder auf diejenigen gerichtet, die nicht im Rampenlicht standen: Spätheimkehrer aus sowjetischer Gefangenschaft, vom Tode gezeichnete Elendsgestalten in Mutter Teresas Sterbehaus in Kalkutta, Striptease-Tänzerinnen in Japan. Trauerzüge und Beerdigungen im ländlichen Russland oder Sizilien hat er ebenso fotografiert wie sinnliche Flamencotänzer und wild entschlossene Stierkämpfer in Spanien. Lebeck bringt dem Betrachter die Welt ins Wohnzimmer - mit all ihren sozialen Widersprüchen, den faszinierenden Momenten, aber auch ihren zutiefst traurigen Verhältnissen. Wenn er Prominente fotografiert hat, dann tat er das nie mit dem sensationsheischenden Blick des Jetset- oder Glamourfotografen. Indiskret musste Lebeck offenbar auch gar nicht sein, um die besten Bilder zu bekommen. Er fotografierte immer auf Augenhöhe - setzte auf eine stille Übereinkunft zwischen sich und seinen Modellen. Mit Romy Schneider, die er immer wieder traf, funktionierte das bestens: "Ich brauchte nichts zu sagen, keine Anweisungen zu geben, konnte sie einfach sich selbst spielen lassen. Später merkte ich, dass sie genau das mochte: dass ich sie Romy Schneider sein ließ." Auch wenn seine Bilder jetzt im Museum hängen, als Künstler sieht sich Robert Lebeck nicht: "Ich bin Journalist".Bis 23. März. Mi-Mo 10-20 Uhr. Katalog: 12 EuroInternet: www.gropiusbau.de