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Die Pilze sind giftig und die Maschinen einsam

Giftig: Ein Fliegenpilz aus der Reihe „Glückspilze“. Fotos: François Besch
Giftig: Ein Fliegenpilz aus der Reihe „Glückspilze“. Fotos: François Besch
Merzig. In Merzig ist die Schau „Hipstamatics“ von François Besch zu sehen, der den Monika-von-Boch-Preis gewonnen hat. Bülent Gündüz

Kann man mit einem iPhone künstlerisch wertvolle Fotos schießen? Das ist wohl die spannendste Frage, wenn man sich die Ausstellung "François Besch, Hipstamatics" im Museum Schloss Fellenberg in Merzig anschaut, die mit der Verleihung des 8. Monika-von-Boch-Preises an den Luxemburger Künstler startete. Besch gilt als ein Pionier in der Smartphone-Fotografie. Mit dem Erscheinen des iPhone 4 im Jahr 2010 war die Auflösung der Kamera-Sensoren in den Handys endlich hoch genug, um an künstlerische Fotografie denken zu können. Sofort begann der Fotograf mit dem Handy zu arbeiten.

Mit dem Smartphone sind die künstlerischen Möglichkeiten begrenzt - ein Spiel mit Tiefenschärfe und Licht ist nicht möglich. So entscheidet vor allem die Motivwahl. Der 1963 geborene Besch begann mit Schnappschüssen des Stadtlebens in Schwarzweiß. Die Reihe "Street Phoneography" zeigt ganz alltägliche urbane Szenen. Oftmals haben die Bilder einen subtilen Witz, wie etwa die Fotografie "Cultures": Sie zeigt, wie sich eine junge Muslima mit Kopftuch schminkt; sie sitzt dabei vor einer Reklametafel mit einer sich schminkenden Marilyn Monroe in Unterwäsche.

Um die Fotos weiterzubearbeiten, nutzt Besch die App "Hipstamatic", die eines der ersten Fotobearbeitungsprogramme auf dem Smartphone war. Mit ihr kann der Künstler allerlei Filter über die Bilder schieben, Unschärfen, Dopplungen und Farbverläufe hinzufügen oder dem Bild einen Hauch des Vergilbens verleihen.



Die Serie "Glückspilze" entstand 2012/13 und wurde von der Luxemburger Post für eine Briefmarkenserie angekauft. Die Pilzfotos waren nicht nur die weltweit erste Briefmarkenausgabe mit Smartphone-Fotos, sie wurde 2014 auch als die schönste Briefmarkenserie des Jahres in Luxemburg ausgezeichnet. Wie Skulpturen scheinen sich die bildfüllenden Pilze aus dem Boden zu stemmen. Im selben Jahr entstand die Serie "Lonely Machines" mit Maschinenteilen in Nahaufnahme.

Besch ist dem Motiv der Landschaft immer treu geblieben - hier zeigt sich am besten der schmale Grat zwischen einfachem Knipser und Künstler. Besch versteht es meisterhaft, Stimmungen festzuhalten und durch die Filter zu verstärken. Besonders eindrucksvoll ist das im Tryptichon "Sommeridylle / Frankfurt aus 500 Fuß / Im Fluge": Die Fotos zeigen einen Feldweg, Frankfurt aus der Luft und einen Himmel mit Vögeln. Mit Filtern entstanden zarte Farbverläufe. Besch entschied sich beim Druck für ein dickes Baumwollpapier mit einer an Bütten erinnernden rauen Oberfläche. Mit den Farben des Pigmentdruckverfahrens entsteht der Eindruck eines Aquarells.

Nicht jede der gezeigten Arbeiten ist derart stark, nicht jedes Foto kann überzeugen. Manchmal ist das einfach zu nah am Schnappschuss. Erstaunlicherweise hat man dieses Gefühl gerade bei der hochgelobten Pilze-Serie. Da aber, wo Besch sein ganzes Können einbringt und es schafft, die experimentellen Eingriffe subtil aussehen zu lassen, überzeugt er. Dann ist er auch ganz nah an der "Subjektiven Fotografie" von Otto Steinert und dessen Schülerin Monika von Boch.

Bis 23. April. Dienstag bis Freitag, Sonntag und an Feiertagen: 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung. Informationen: Telefon (0 68 61) 79 30-30 und -31.