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Hörbuchrezension
Die lüsterne Tante Poldi jagt zum dritten Mal fiese Mörder

Tante Poldi und der schöne Antonio
Tante Poldi und der schöne Antonio FOTO: Lübbe Audio
Zweibrücken. Die in Sizilien lebende Bayerin ermittelt in einem Vermisstenfall. Und bekommt es mit mehreren „schönen Antonios“ zu tun. Ist einer von ihnen der Mörder? Von Eric Kolling

An Donna Poldinas Leben nimmt man immer gerne teil. Jetzt schickt Mario Giordano seine grantelnde, lüsternde Spürnasenoma mit dem Lebensziel „totsaufen“ in „Tante Poldi und der schöne Antonio“ zum dritten Mal auf kriminalistische Mission in ihrer Wahlheimat Sizilien. Man sitzt einmal mehr atemlos vor dem CD-Spieler und lauscht der Handlung. Die diesmal nicht Ewan McGregors Synchronstimme Philipp Moog vorträgt, sondern der wesentlich unbekanntere Christian Baumann. Doch nach kurzer Umgewöhnungszeit fällt einem dieser Unterschied kaum mehr auf. So gut macht Baumann seine Sache, imitiert die Dialekte (vor allem natürlich Poldis Bayerisch), verleiht den Figuren Persönlichkeit.

Die Handlung knüpft nahtlos an Teil zwei an. Poldis Ex-Mann John klopft unversehens an ihre Tür. Welcher Ex-Mann? Einiger Erklärungsbedarf für Poldis Flamme, den Commissario Vito Montana. Und dann ist Ex-Mann John auf der Suche nach seinem Bruder Thomas. Der hat offenbar einem afrikanischen Gangsterboss etwas Wertvolles geklaut und ist seitdem in Sizilien verschollen. Poldi ermittelt auf eigene Faust und stößt dabei auf die Person und den in Sizilien verbreiteten Mythos des „schönen Antonio“. Dumm nur, dass schöne Antonios in Gestalt von Wunderkindern, verrückten Einsiedlern oder schwulen Polizisten mannigfaltig daherkommen.

Die Ermittlungen erstrecken sich im Buch über mehreren Monate und kommen auch dem Zuhörer bisweilen etwas lang vor, da die Poldi sich über lange Strecken mit ihren Privatproblemen beschäftigt. Giordano gestaltet das allerdings so, dass man nie den Faden verliert. Dazu demonstriert er einmal mehr seine Fähigkeit, kuriose Figuren auftauchen zu lassen. Etwa bei einer nordländischen Heavy-Metal-Gruppe, die in Sizilien auch eine Trennungskrise zu überstehen hat.



Die Poldi indes überspitzt der Autor einmal mehr: Diesmal versieht er ihre bisher weitgehend im dunklen gehaltene Vergangenheit nicht nur mit einer überraschenden Hochzeit in Afrika sondern auch noch mit früheren Geheimdienstabenteuern. Beinahe zu dick aufgetragen. Anders sieht das aus, wenn die Poldi plötzlich auch Gschpusi oder gute Bekannte von Promis wie Mark Zuckerberg oder Michael Jackson sein soll. Dennoch: Auch einen vierten Teil würde man gerne lesen/hören wollen.

Mario Giordano: Tante Poldi und der schöne Antonio, Lübbe Audio, 444 Minuten, ISBN: 978-3-7857-5474-0