| 23:37 Uhr

Helden der Kindheit
Die Helden der Kinderbücher

Fast so stark wie Pippi Langstrumpf: Die kleine Ida stemmt im Historischen Museum der Pfalz in der Ausstellung „Das Sams und die Helden der Kinderbücher“ das Pferd „Kleiner Onkel“ in die Höhe.
Fast so stark wie Pippi Langstrumpf: Die kleine Ida stemmt im Historischen Museum der Pfalz in der Ausstellung „Das Sams und die Helden der Kinderbücher“ das Pferd „Kleiner Onkel“ in die Höhe. FOTO: dpa / Uwe Anspach
Speyer. Das Sams, Pippi Langstrumpf und der Pumuckl: Eine Ausstellung in Speyer zeigt die Welten der Kinderbuchhelden.

Das Sams hat knallrote Haare, eine Schweinenase und trägt einen Taucheranzug. Mit den blauen Punkten in seinem Gesicht kann es Wünsche erfüllen. Einen Punkt für einen Wunsch, manchmal auch zwei oder drei. Seit Generationen sind die Geschichten über das Wesen mit dem kugeligen Bauch aus vielen Kinderzimmern nicht wegzudenken. Bisher gibt es acht Bände – und nun auch eine Ausstellung.

Das Sams und andere Kinderbuchhelden sind seit Freitag (1.6.) an im Historischen Museum der Pfalz in Speyer zu sehen. Für Museumschef Alexander Schubert eines der wichtigsten Projekte der vergangenen Jahre: „Einmal selbst Teil einer Erzählung zu werden, mit dem Helden Abenteuer bestehen und buchstäblich ihre Welt hautnah erleben – wer hat davon noch nicht geträumt?“

Tintenherz, Jim Knopf, der Grüffelo oder das kleine Gespenst – die Ausstellung entführt die Besucher in die Welt der Kinderbücher und ihrer Helden. In den detailreichen Räumen können die Besucher zum Beispiel die nachgebaute Küche von Pippi Langstrumpf aus der Villa Kunterbunt und die Schreinerwerkstatt von Meister Eder und dem Kobold Pumuckl besichtigen.



Die Vorbereitungen waren Projektleiterin Almut Neef zufolge eine Herausforderung. „Die Vorstellung, dass wir eine Ausstellung zu Büchern machen, hat uns erst einmal in die Knie gezwungen“, sagte Neef bei der Vorstellung der Schau am Mittwoch. Bereits die Wahl der Autoren sei schwierig gewesen. Laut Museumschef Schubert hatte in den vergangenen zwei Jahren aber jeder Beteiligte sein inneres Kind wiederentdeckt.

Gewidmet ist die Ausstellung dem Sams-Erfinder Paul Maar, der im vergangenen Jahr seinen 80. Geburtstag gefeiert hat. „Wie kaum ein anderer schafft es Paul Maar, sich auf die Gefühls- und Gedankenwelt von Kindern einzustellen, ihren Humor zu treffen und sie mit seinen Texten zu stärken“, meinte Schubert.

Der Kinderbuchautor freut sich über dieses – wie er selbst sagt – „großartige Geburtstagsgeschenk“. „Gerade in unserer Zeit, in der das Smartphone so übermächtig ist und Kinder leider weniger lesen, wäre es doch schön, wenn man sie durch so eine Ausstellung an die Kinderbücher heranführen könnte“, sagte Maar am Mittwoch in Speyer. Die Lektüre von Kinderbüchern schärfe das Sprachvermögen, fördere die Fantasie und schule außerdem die emotionale Intelligenz.

„Kinder lernen, indem sie sich in eine Hauptperson hineinversetzen, wie sie zu denken, wie sie zu fühlen und nehmen ihre eigenen Gefühle dadurch viel bewusster wahr“, sagte Maar. Aus dieser Erfahrung heraus könnten sie die Emotionen ihrer Mitmenschen besser aufnehmen.

Der Schriftsteller hatte sich an den Vorbereitungen für die Ausstellung beteiligt. Zu sehen sind zum Beispiel mehrere Sams-Illustrationen sowie die Schreibmaschine, auf der Maar seine ersten Geschichten schrieb. Außerdem ist das Kostüm der Sams-Darstellerin Christine Urspruch ausgestellt. Insgesamt zeigt das Museum mehr als 500 Objekte, darunter etwa 100 Skizzen und Grafiken, mit denen die Kinderbücher der Ausstellung illustriert wurden.

Valerie hat vor der grummligen Grüffelo-Figur überhaupt keine Angst und lässt sich beim Schmöckern nicht stören.
Valerie hat vor der grummligen Grüffelo-Figur überhaupt keine Angst und lässt sich beim Schmöckern nicht stören. FOTO: dpa / Uwe Anspach
Auch „Sams“-Autor Paul Maar kam nach Speyer.
Auch „Sams“-Autor Paul Maar kam nach Speyer. FOTO: dpa / Uwe Anspach