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Grammy-Awards
Ladies first!

 Die Rapperin  Cardi B bei der Ankunft zu den 61. Grammy Awards im Staples Center. Für ihr Debütalbum „Invasion of Privacy“ erhält sie den Grammy für das beste Rap-Album.
Die Rapperin Cardi B bei der Ankunft zu den 61. Grammy Awards im Staples Center. Für ihr Debütalbum „Invasion of Privacy“ erhält sie den Grammy für das beste Rap-Album. FOTO: dpa / Jordan Strauss
Los Angeles. Lange dominierten Männer und männliche Bands die Grammys. Nun kommen bei den Musikpreisen endlich Mädchen, Schwestern und Ladys zum Zug.

(dpa) Als Michelle Obama die Bühne betritt – ungefähr drei Minuten nach Beginn der Grammy-Verleihung – ist die Sache eigentlich schon klar: Diese Gala für den wichtigsten Musikpreis der Welt steht im Zeichen der Frau. Die Feier steht für Frauen, die sich in der von Männern beherrschten Musikindustrie durchsetzen. Für Frauen, die trotz ungleicher Chancen für ihre Musik kämpfen, aber auch für diejenigen, die es in dem oft gnadenlosen Geschäft nicht schaffen. Die Grammys, so die Botschaft am Sonntag in Los Angeles, werden endlich weiblicher.

Eine stärkere Symbolfigur als die ehemalige First Lady, bis heute eine der beliebtesten Frauen des Landes, hätte es kaum geben können. Neben ihr stehen Lady Gaga, Jada Pinkett Smith und Jennifer Lopez, nachdem Gastgeberin Alicia Keys dieses Quartett aus geballter Frauenpower als „meine Schwestern“ vorgestellt und auf die Bühne geholt hat.

Immer neue Spitznamen findet Keys für die verschiedenen Musikerinnen, die im Lauf der gut dreieinhalb Stunden auftreten oder geehrt werden: „Meine Schwester in der Musik“ (Janelle Monáe), „wunderschöne Lady“ (Diana Ross) oder „mein Girl“ (H.E.R.).



Es war ein langer Weg bis hierhin, und das Ziel ist noch längst nicht erreicht: In den Jahren von 2013 bis 2018 waren 91 Prozent der Nominierten bei den Grammys männlich.

Am Sonntag scheint sich das Blatt endlich gewendet zu haben. Zwei der vier Hauptpreise gehen an Frauen. Kacey Musgraves holt mit „Golden Hour“ die Trophäe für das beste Album, Dua Lipa wird beste neue Künstlerin. Cardi B gewinnt mit „Invasion of Privacy“ als erste weibliche Solo-Künstlerin den Grammy für das beste Rap-Album, H.E.R. gewinnt die ersten beiden Grammys ihrer Karriere. Fans auf Twitter jubeln, andere meinen: Wurde aber auch höchste Zeit. Vor dem Auftritt von Rapperin Cardi B ruft Keys ihr zu: „Girl, get it!“ Soll in etwa heißen: „Mädchen, schnapp‘ es dir!“

Ein Jahr ist es her, dass – wie in Vorjahren – die große Mehrzahl der Preise an Männer oder von Männern geführte Bands ging und Männer auch viel häufiger auf der Bühne zu sehen waren als Frauen. Die Gala der 61. Verleihung war nun eine überfällige 180-Grad-Wende: Männliche Stars wie Shawn Mendes, Travis Scott und Rapper Post Malone samt der Red Hot Chilli Peppers wirken wie eingestreut. Quer durch die musikalischen Genres beherrschen Frauen den Abend.

Da ist Janelle Monáe, die mit ihrem Moonwalk zu „Make Me Feel“ den Saal elektrisiert und am Ende des Songs eiskalt ihr Mikrofon fallen lässt. Da ist Ariana Grande, die nach einem Streit über Planungen ihren Auftritt absagte, aus dem Off aber trotzdem Fotos von sich im Abendkleid postet und dann – ohne anwesend zu sein – den ersten Grammy ihrer Karriere gewinnt.

Nachdem zum Auftakt die ehemalige First Lady der Politik auf der Bühne stand, folgen bald die First Lady des R&B (Diana Ross) und die First Lady des Country (Dolly Parton). Über Genres und Generationen soll die Botschaft starker Frauen greifen, als Parton (73) ihre Hits mit Katy Perry (34), Kacey Musgraves (30) und Miley Cyrus (26) singt.

(dpa)