| 22:30 Uhr

Neu im Kino: „Der Trafikant“
Wiener Träume mit Sigmund Freud 

Freundschaft in Wien: Franz Huchel (Simon Morzé, links) und Sigmund Freud (Bruno Ganz).
Freundschaft in Wien: Franz Huchel (Simon Morzé, links) und Sigmund Freud (Bruno Ganz). FOTO: Tobis
Bonn . Die gelungene Verfilmung des Romans „Der Trafikant“ kommt heute in die Kinos.

Franz Huchel, Hauptfigur des Romans „Der Trafikant“ von Robert Seethaler, ist ein Träumer – im positiven Sinne. Das ist keine Selbstverständlichkeit im Wien von 1937 und 1938, wo der unwissende, aber keineswegs dumme Jugendliche Zeuge ist, wie die Nazis und ihre Ideologie sich ausbreiten – bis hin zur Einverleibung Österreichs.

Die Fähigkeit zum Träumen als Attribut eines Freidenkenden zu deuten, das forciert Nikolaus Leytners Verfilmung „Der Trafikant“ im Vergleich zur Vorlage noch stärker. Immer wieder zeigt der Film in Augenblicken der Gewissensentscheidung den Kontrast zwischen Vorstellung und Wirklichkeit.

In vielem anderen hingegen bleibt Leytner bei seiner Adaption eng am Roman und den knappen, prägnanten Schilderungen Seethalers, deren Detailgenauigkeit sich auch im Film vermittelt: in einer anfänglichen Gewitterszene etwa, in der sich Franz unter seiner Bettdecke verkriecht, während zeitgleich der reiche Liebhaber seiner Mutter im See ertrinkt; in dem detailreich zum Leben erweckten Hauptschauplatz der Handlung, der „Trafik“, also der Tabakhandlung, des Kriegsinvaliden Otto Trsnjek. Die Erforschung der Kundenwünsche zwischen edlen Zigarren, Zeitungen sowie diskret unterm Ladentisch verkauften Pornoheften wird mit Faszination ausgebreitet. Sie verleiht dem Film einen Kern der Wahrhaftigkeit, von dem aus sich die Handlungsstränge entfalten. Hierzu gehört die sich langsam entwickelnde Vertrautheit zwischen dem grimmigen, aber Franz freundlich gesinnten Trsnjek und seinem neuen Gehilfen, der miterlebt, wie die Trafik zur Zielscheibe wird, weil ihr Besitzer jüdische und kommunistische Kunden weiter bedient. Parallel dazu erlebt der 17-Jährige seine erste Liebe; vor allem jedoch knüpft er Bande zum berühmtesten Trafik-Kunden: dem greisen Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud.



Der erzählerische Coup, Freud mit beiläufiger Selbstverständlichkeit zu Franz‘ Mentor und Ratgeber in Liebesdingen zu machen, geht im Film durch die kongeniale Besetzung der beiden Rollen glänzend auf: Simon Morzé macht das gutherzige Wesen des jungen Mannes deutlich, während Bruno Ganz den alten Professor mit innerlicher Resignation spielt, der sich mit wohlwollender Neugier mit den Sorgen des jungen Burschen beschäftigt.

Ab heute in einigen Kinos der Region.