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Neu im Kino
„Der Spion von nebenan“: Wrestler als Babysitter

 Dave Bautista als Agent JJ in „Der Spion von nebenan“.
Dave Bautista als Agent JJ in „Der Spion von nebenan“. FOTO: Courtesy of STXfilms/Tobis Film / Michael Gibson
Frankfurt. (epd) Seit jeher haben Wrestler und Bodybuilder einen direkten Draht zu der Sorte Kino, die ihre Herkunft vom Jahrmarkt nicht verleugnet. Ihre aufgepumpten Körper veranschaulichen eine elementare Männlichkeit, die im Alltag als bedrohlich wahrgenommen, im Ring und auf der Leinwand aber ungeniert bestaunt werden darf.

Ex-Wrestler Dave Bautista gelingt es in Peter Segals „Der Spion von nebenan“, diese beiden Aspekte auf unerwartet charmante Weise zu bespielen.

CIA-Agent JJ feiert zwar durchschlagende Erfolge, ist für den Geschmack seines Chefs aber zu brachial. Mit einer unerfahrenen Kollegin im Schlepptau wird er zu einer Überwachungsmission degradiert. Das Duo verkabelt die Wohnung einer mit Tochter und Hund aus Frankreich geflohenen Witwe, deren Mann Konstruktionspläne für eine Mini-Atombombe hinterließ.

Die mit schwerem Akzent sprechenden Schurken, die hinter diesen Plänen her sind, interessieren jedoch nur zu Beginn und dann wieder auf der Zielgeraden zum Showdown. Stattdessen entdeckt die aufgeweckte Tochter Sophie nicht nur eine der Kameras, sondern enttarnt auch das Aufpasser-Duo. Die einsame Neunjährige erpresst JJ zu schulischen Begleitdiensten und adoptiert ihn als Mentor.



Der Genrefilm macht kein Hehl daraus, dass an dieser Geschichte vom sozial inkompatiblen Grobian, der durch ein Kind gezähmt wird, nichts originell ist. Ungewohnt ist aber, dass Bautista seine gorillahafte Präsenz, mit der er bereits in „Guardians of the Galaxy“ den Stars die Show stahl, nie durch ein Augenzwinkern à la Dwayne Johnson oder die Lässigkeit eines Arnold Schwarzenegger mildert.

Mehr mimisches Bemühen wäre Verschwendung, denn Bautista spricht hauptsächlich durch seinen bulligen Körper, der in der urbanen Kulisse ein Fremdkörper ist. Sobald die kleine Sophie mit dem finster blickenden Koloss in ihrer Schule aufkreuzt, herrscht unter den Kids Totenstille. Als er sich beim Berufe-Vorstellen in ihrer Klasse als Terroristenkiller outet, sind die Zuhörer – abzüglich der Väter – nach einer Schrecksekunde hingerissen. Die Gören umschwärmen ihn, die Lehrerinnen stecken ihm ihre Telefonnummer zu.

Es ist erfrischend, wie Regie-Routinier Peter Segal unter Verzicht auf schrillen Klamauk nicht nur die fröhliche Anspruchslosigkeit von 90er-Jahre-Komödien wie „Kindergarten Cop“ übernimmt, sondern auch beim Mann-Frau-Ding so tut, als habe er noch nie von „toxischer“ Männlichkeit gehört. Hinzu kommt, dass Bautista sich als ausgesprochen uneitel erweist.

JJ lässt sich bei seiner Einführung ins Zivilleben stoisch demütigen, von Sophie aufs Eis der Schlittschuhbahn locken und verspotten. Erfreulich viel Zeit wird Kristen Schaal als plappernd-tollpatschige, aber smarte Assistentin eingeräumt. Insgesamt ein Treiben, das in seiner unbefangenen Tiefergelegtheit mehr Witz hat als zu hoffen war.

SA 2019; 101 Min.; Regie: Peter Segal; Buch: Ewrich Hoeber, Jon Hoeber; Kamera: Larry Blanford; Musik: Dominic Lewis; Besetzung: Dave Bautista, Kristen Schaal, Parisa Fitz-Henley; Chloe Coleman.