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Bayreuther Wagner-Festspiele
Der Schwanenritter getaucht in Blau

Bühnenbild und Kostüme hat das Künstlerpaar Neo Rauch und Rosa Loy gestaltet.
Bühnenbild und Kostüme hat das Künstlerpaar Neo Rauch und Rosa Loy gestaltet. FOTO: dpa / Enrico Nawrath
Bayreuth. Die Bayreuther „Lohengrin“-Inszenierung von Yuval Sharon erzählt ein Märchen.

Auf die Bayreuther Bühne kommt in diesem Jahr ein „Lohengrin“ wie er unpolitischer kaum sein könnte. Regisseur Yuval Sharon erzählt die Geschichte von Richard Wagners berühmtem Schwanenritter als Märchen – nicht mehr und nicht weniger.

Märchenhaft ist dabei vor allem das Bühnenbild von Deutschlands Kunststar Nummer eins: Neo Rauch hat seit sechs Jahren daran gearbeitet und taucht den neuen Bayreuther „Lohengrin“ in Blau. Ihr sinnliches Bühnenbild ist das bestimmende Element der Inszenierung, bewegt sich irgendwo zwischen Traum und Wirklichkeit und steht im krassen Gegensatz zum nüchternen, intellektuellen Versuchsaufbau, der die „Lohengrin“-Inszenierung von Hans Neuenfels bestimmte, die vor zwei Jahren zum letzten Mal in Bayreuth auf die Bühne kam. 

Die starken Frauenfiguren in der Oper hätten sein Interesse geweckt, hatte der US-Amerikaner Sharon im Vorfeld gesagt. Dass Elsa (Anja Harteros) unbedingt wissen will, wen sie da geheiratet hat, sei für ihn kein Zeichen von zerstörerischer Neugier, sondern vom Aufbegehren gegen blinden Gehorsam. Sharon war für den ursprünglich geplanten und wegen seiner Äußerungen zur deutschen Flüchtlingspolitik umstrittenen konservativen Letten Alvis Hermanis eingesprungen, das Bühnenbild war fast fertig.



Eher gemischt fällt dann auch die Reaktion des Publikums aus, im Gegensatz zum musikalischen Teil der Inszenierung. Der wird – wie fast immer in Bayreuth – einhellig bejubelt. Allen voran gilt der Applaus Piotr Beczala: Er war nur wenige Tage vor Probenbeginn für den Tenor Roberto Alagna eingesprungen, der es schlicht nicht geschafft hatte, rechtzeitig den Text zu lernen. Beczala gerät jedoch hinter Anja Harteros als Elsa und Bayreuth-Rückkehrerin Waltraud Maier (sang vor 18 Jahren zum letzten Mal auf dem Hügel) als Ortrud etwas in den Hintergrund. Unumstritten ist beim Publikum die musikalische Leistung von Musikdirektor Christian Thielemann.