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Serie Angespielt
Der mit dem Tod tanzt

 Dreckig, matschig, abgeschabt: „Red Dead Redemption 2“ bemüht sich um einen authentischen Look.
Dreckig, matschig, abgeschabt: „Red Dead Redemption 2“ bemüht sich um einen authentischen Look. FOTO: Rockstar
Zweibrücken. „Red Dead Redemption 2“ erzählt in grandiosen Kulissen eine tragische Geschichte Von Jan Althoff

Man sollte sich seine Feinde mindestens so sorgfältig aussuchen wie seine Freunde. Wer das nicht schon selbst gemerkt hat, wird es sich spätestens nach Rockstars epischem Western-Action-Adventure „Red Dead Redemption 2“ zu Herzen nehmen. Denn wenn die flüchtige Gaunerbande des Hauptcharakters Arthur Morgan nicht den Zug des Ölmagnaten Leviticus Cornwall überfallen hätte, der sie danach mit seiner Rachsucht quer durch die USA jagen lässt, wäre vielleicht alles ganz anders gekommen.

Vielleicht aber auch nicht. Wahrscheinlich wäre den Storyschreibern dann ein anderer Dreh eingefallen, um die Protagonisten wie bereits im Vorgänger grandios ins Verderben reiten zu lassen. Aber immerhin würden sie das mit Stil machen. Denn „Red Dead Redemption 2“ fährt inklusive einer stimmungsvollen Musikuntermalung wirklich alles auf, was man von einer Geschichte erwartet, die im Wilden Westen (wenn auch eher in dessen Endphase) spielt: Pferde, Kutschen, Zugüberfälle, Banditen, Saloons, Alkohol, sinnlose Gewalt et cetera. Und natürlich die nordamerikanische Landschaft, die sich in „Red Dead Redemption 2“ als spektakuläres Konzentrat wiederfindet. Von rauschenden Wildbächen im Tiefschnee über malerische Seen bis zu majestätischen Tafelbergen. In dieser Landschaft tummeln sich Tiere vom Fisch über das Eichhörnchen bis zum Bison sowie –gelegentlich irgendwie unmotiviert – Menschen zu Fuß, zu Pferd oder in der Kutsche.

Mit diesen Lebewesen kann man in der offenen Spielwelt außerhalb der Missionen frei interagieren: Angeln, Jagen, Fremde ansprechen oder ohne Vorwarnung über den Haufen schießen – alles möglich. Wobei es für sinnlos böses Verhalten Abzüge bei der Ehre gibt und Zeugen eventuell zum Sheriff rennen. Auch für Gefallen, die man Zufallsbekanntschaften tut, kann man überraschend mehrere Spielstunden später belohnt werden. Das erzeugt geschickt die Illusion sich in einer lebendigen Western-Welt zu bewegen. Ähnlich wie die Darstellung damaliger Alltagstätigkeiten, etwa die ziemlich eindeutige Sequenz, die jedem „Häuten“-Befehl nach dem Erlegen eines Wildtieres folgt.



Grafisch sieht das in der im November erschienenen PC-Version noch ein wenig besser aus als in der Konsolen-Fassung, die bereits seit einem Jahr auf dem Markt ist. Auch die technischen Probleme, die es etlichen PC-Spielern zu Beginn unmöglich machten, das Programm zu starten, scheinen mittlerweile der Vergangenheit anzugehören. Weiterhin bestehender Kritikpunkt: die Steuerung mit Maus und Tastatur. Erstens ist die unnötig ausufernd, zweitens die Neubelegung unkomfortabel und drittens die Umsetzung der Steuerbefehle, die auf dem Pad mit Analog-Stick ausgelöst werden, ärgerlich träge.

Wertung (Schulnote): ⇥1

 Die Bande muss mehrfach ihr Versteck wechseln.
Die Bande muss mehrfach ihr Versteck wechseln. FOTO: Rockstar