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Film der Woche
Der König der Schmuggler

Der neue Film von Ron Howard erzählt auch von der unkaputtbaren Freundschaft zwischen Han Solo (Alden Ehrenreich) und dem treuen Zottelriesen Chewbacca (Joonas Suotamo).
Der neue Film von Ron Howard erzählt auch von der unkaputtbaren Freundschaft zwischen Han Solo (Alden Ehrenreich) und dem treuen Zottelriesen Chewbacca (Joonas Suotamo). FOTO: Jonathan Olley /Lucasfilm Ltd. / Lucasfilm Ltd.
Zweibrücken. „Solo: A Star Wars Story“ von Ron Howard erzählt mit Selbstironie von den Anfängen einer Freundschaft.

„Vorname?“ fragt die Zollbeamtin am Raumflughafen. „Han“ antwortet der Ausreisewillige. „Nachname?“ Der junge Mann zuckt mit den Schultern. Er habe keine Familie und deshalb auch keinen Familiennamen. Die Uniformierte hinter der Glasscheibe mustert ihn und sagt dann: „Ich trage einfach „Solo“ ein. Ohne Nachnamen geht es nicht“. Und so wird die Taufe einer der beliebtesten Figuren der jüngeren Popkultur-Geschichte nicht irgendwelchen nebulösen Vermächtnissen, sondern einem spontanen Eingebung der Grenzbürokratie zugeschrieben.

Han Solo, der berühmteste Schmuggler der weit, weit entfernten Galaxie bekommt nun in „Solo – A Star Wars Story“ sein eigenes Biopic. In den Fan-Portalen hat es im Vorfeld der Produktion kräftig rumort. Ein Han-Solo-Film ohne Harrison Ford? Unmöglich! Dann wurden die beiden Regisseure Christopher Miller und Phil Lord („The Lego Movie“) wegen kreativer Differenzen vom Auftraggeber Disney gefeuert und durch den Veteranen Ron Howard ersetzt. Schließlich kam auch noch das Gerücht auf, dass dem neuen Han-Solo-Darsteller Alden Ehrenreich ein Coach zur Seite gestellt wurde, weil er seine Rolle nicht in den Griff bekäme.

Die Fachleute in den Chatrooms schienen sich einig, dass dieses Spin-Off aus dem Star-Wars-Universum zum Scheitern verurteilt sei. Aber vielleicht passte sich hier die Produktionsgeschichte des Films auch einfach nur ihrem Sujet an. Denn Han Solo war schon immer eine Figur, die erst zu großer Form auflief, wenn sie sich allen Widrigkeiten zum Trotz durchsetzen musste. Je unüberwindlicher die Hindernisse, desto größer der Spaß – das war schon immer Han Solos Devise, bevor er sich mit dem typischen einwangigen Lächeln von Harrison Ford ins Kampfgetümmel stürzte. Und Spaß macht dieser „Solo“-Film, weil er sich selbst nicht so bierernst nimmt, sich auf die Nostalgie-Bedürfnisse der Fans einlässt und es nicht darauf anlegt, in immer neuere Hi-Tech-Galaxien vorzudringen.



Während Luke Skywalker in der Star-Wars-Erzählung mit einem üppigen familiären Hintergrund und einem legendären Vater-Sohn-Konflikt ausgestattet wurde, war Han Solo mit einer quasi geschichtslosen Präsenz einfach immer nur da. Daran ändert sich durch den Ausflug in die jungen Heldenjahre mit diesem Film nur wenig. Auf komplexe Familienaufstellungen wird verzichtet und Han zum Waisen erklärt, der sich auf dem Planeten Corellia als gewiefter Auftragsdieb durchschlägt. Er träumt davon, mit seiner Jugendfreundin Qi’ra (Emilia Clarke) der versklavten Existenz zu entfliehen und Pilot zu werden. Aber als es ihm gelingt, mit einer Ampulle wertvollem Coaxiums die Grenzkontrolleure zu bestechen, schließen sich im Tumult die Pforten hinter ihm und die Geliebte muss zurückbleiben. Er schwört, zu ihr zurückzukehren, aber nachdem er drei Jahre später wegen Ungehorsams von der Pilotenschule geflogen ist und als Infanterist in die Kriege des Imperiums ziehen muss, ist er seinem Ziel keinen Schritt näher gekommen. Auf dem Schlachtfeld trifft er schließlich auf eine als Soldaten getarnte Diebesbande um Tobias Beckett (Woody Harrelsen), die den Deserteur widerwillig aufnimmt und für den gefährlichen Gangsterboss Dryden Vos (Paul Bettany) einen ganzen Zug mit hochexplosivem Treibstoff überfallen soll.

Wäre „Solo“ kein Science-Fiction-Film, würde er sicherlich auch als Western durchgehen. Regisseur Ron Howard zeigt sich als bekennender Nostalgiker, der seine Figuren aus der Zukunft durch die nur leicht verfremdeten Kulissen des uramerikanischen Genres wandeln lässt. Ausgeklügelte Action-Choreographien auf rasenden Güterzügen, Wüstenlandschaften, durch die die Diebesbande so cool wie einst „Die glorreichen Sieben“ schlendert, bis hin zu Alden Ehrenreich, der seine Waffe in einem lässig herunterbaumelnden Hüftgurt trägt. So wie Han Solo selbst ist auch der Film eine angenehm geradlinige Angelegenheit. Keine aufgesetzten Subtext-Konzepte, kein halb esoterisches Gebrummel über die Kraft der „Macht“ und vor allem nicht schon wieder ein Todesstern. Stattdessen gut durchchoreografierte Action, ein Bösewicht mit Sex-Appeal (im Star-Wars-Universum eher eine Seltenheit) und auch eine gute Portion Liebe. Dazu gehört nicht nur des Titelhelden wechselhafte Liaison mit der undurchsichtigen Geliebten, sondern vor allem die Entwicklungsgeschichte der unkaputtbarsten „bromance“ der Filmgeschichte zwischen Han Solo und dem Zottelriesen Chewbacca. Natürlich ist Alden Ehrenreich nicht Harrison Ford und das ist gut so. Statt sich auf dem Feld der Ikonen-Imitation zu versuchen, gelingt es Ehrenreich, die Essenz der Figur herauszufiltern und mit nassforscher Jugendlichkeit zu unterlegen. Sicherlich hat er nicht dieses lässige Ford-Grinsen, aber dafür ein eigenes offenes Lächeln, das die Leinwand erstrahlen lässt.

Jung, schön und geheimnisvoll: Emilia Clarke als Qi‘ra.
Jung, schön und geheimnisvoll: Emilia Clarke als Qi‘ra. FOTO: Jonathan Olley /Lucasfilm Ltd. / Lucasfilm Ltd.