| 20:13 Uhr

Kino
Der Grantler und die Temperamentvolle

Sie haben eigentlich mit dem Leben abgeschlossen: Claire (Hannah Hoekstra) und Arthur (Josef Hader).
Sie haben eigentlich mit dem Leben abgeschlossen: Claire (Hannah Hoekstra) und Arthur (Josef Hader). FOTO: Universum Film
Berlin. „Arthur & Claire“ von Miguel Alexandre mit Josef Hader und Hannah Hoekstra.

Nicht einmal in Ruhe auf den Tod vorbereiten kann man sich in diesem Hotel. Arthur war extra von Wien nach Amsterdam geflogen, um hier die gesetzlich erlaubte Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Er ist unheilbar an Lungenkrebs erkrankt. Doch als er am Vorabend des geplanten Suizids im Hotel bei einem Glas Rotwein Abschiedsbriefe schreiben will, wird er durch laute Heavy-Metal-Musik gestört.

Aufgebracht klopft Arthur an die Tür des Nachbarzimmers – und begegnet der völlig aufgelösten Claire. Irgendetwas stimmt hier nicht: Die Badewanne läuft über, ein Gläschen Schlaftabletten fällt um.

Offenbar begegnen sich hier zwei Menschen, die mit dem Leben abgeschlossen haben. Trotz ihrer Lebensmüdigkeit und ihrer Charakterunterschiede raufen sich Mann und Frau zusammen und ziehen durch das nächtliche Amsterdam, vom überfüllten Lokal in einen Coffeeshop, vom Tanzclub in eine Bar. Langsam wandelt sich die angespannte Stimmung in Vertrautheit.  Plötzlich ist es Morgen, und Arthur muss entscheiden, ob es nicht doch einen Grund gibt, vielleicht ein bisschen länger zu leben.



Die dramaturgische Reibung entsteht durch die Gegensätzlichkeit der Charaktere. Hader spielt den verklemmten Grantler, der gern seinem Entrüstungsbedürfnis nachgibt. Hannah Hoekstra verkörpert glaubwürdig die temperamentvolle Claire, die zwischen Lebenswillen und Lebensmüdigkeit gefangen ist. Auch für den Schluss findet der Film den richtigen Ton.