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Dan Browns neues Werk „Origin“
Das Erfolgsrezept hat ausgedient

Cover Hörbuch Origin
Cover Hörbuch Origin FOTO: Lübbe Audio
Zweibrücken. Thrillerautor Dan Brown setzt in „Origin“, Roman fünf um Robert Langdon, auf sein Strickmuster aus waghalsiger Theorie, ein wenig Hatz entlang bekannter Schauplätze und einem überraschenden Schluss. Doch diesmal klappt das weniger als bei den Vorgängern. Von Eric Kolling

Dan Brown bleibt seinem jüngsten Vierjahresrhythmus treu: Der amerikanische Thriller­autor legt nach „Das verlorene Symbol“ (2009) und „Inferno“ (2013) mit „Origin“ den inzwischen fünften Roman um den Symbolexperten Robert Langdon in der Heldenrolle vor. Der schnellte in den Bestsellerlisten flott nach oben – eine Nachwirkung vor allem von Browns „Sakrileg“: Darin sponn er 2003 die Theorie, dass Jesus und Maria Magdalena verheiratet waren und Kinder hatten, deren Ursprung der Schoß Marias – also der Heilige Gral – waren.

Eine kühne Theorie, die in der Kirchenwelt für einigen Wirbel sorgte und zu deren Widerlegung Bücher geschrieben wurden – Browns Popularität aber keinen Abbruch taten. Das Werk und auch zwei Nachfolger wurden mit Tom Hanks in der Hauptrolle verfilmt.

An erzählerischer Qualität nahmen die Langdon-Werke zuletzt allerdings deutlich ab – „Origin“ bildet da den Höhepunkt. Und das hat vor allem damit zu tun, dass Brown an seinem „Rezept“ stur festhält: Langdon wird diesmal wie so oft aus Gründen der Dramatik (im Beisein einer hübschen aber vergebenen Frau) von bösen Mächten gejagt und auch von der Polizei, weil die ihn fälschlicherweise verdächtigt. Es spielt eine bahnbrechende Theorie (wie einst die des Grals) eine Rolle, und die Spannung respektive die Schlusswendung ergibt sich aus der Identität des Bösewichts. Dazu gibt’s James-Bond-mäßig eine Hatz entlang bekannter Sehenswürdigkeiten, die anschließend „Dan Brown“-Touren ausweisen können.



„Origin“ offeriert diese Möglichkeit im Wesentlichen den Tourismusbüros Bilbaos mit seinem Guggenheim-Museum, Madrid mit dem Königspalast und Barcelona mit der Kirche „Sagrada Familia“. Was zeigt: Das Element „Hatz“ fällt diesmal eher spärlich aus. Weiteres Problem: der bisher schon sehr eindimensionale Held Langdon, dessen große Stärken sein fotografisches Gedächtnis und sein Decodiertalent darstellen, muss beides kaum unter Beweis stellen. Er enträtselt eine Gedichtzeile als Passwort – das war’s dann auch schon im Wesentlichen. Recht schwach.

Und die Rahmengeschichte um Querelen im spanischen Königshaus will so gar nicht zum Plot passen: Der dreht sich um bahnbrechende Erkenntnisse von Langdons einstigem Zögling Edmond Kirsch. Der hat nach eigenen Aussagen herausgefunden, „woher wir kommen“ und „wohin wir gehen“. Beides will er zu Beginn öffentlichkeitswirksam im Guggenheim-Museum Bilbao präsentieren, wird dabei aber erschossen. Stecken Geistliche dahinter, denen er sein Wissen vorab anvertraut hatte? Denn die Erkenntnisse könnten für die Kirchen katastrophal sein. Was Kirsch herausgefunden hat und wer für seinen Tod verantwortlich ist (nicht: wer sein direkter Mörder ist), das sind die beiden Kernfragen, die Brown erst spät und überraschend beantwortet. Dass Kirsch einen Supercomputer entwickelt hat, seine Erkenntnisse auf dessen Berechnungsmodellen fußen und Langdon von dem Gerät namens Winston wertvolle Hilfe bei seiner Aufklärung erhält, erscheint zunächst schräg, fügt sich in die Auflösung aber gut ein. Die Theorien, die Brown letztlich zitiert, sind spannend, aber weit weniger revolutionär als etwa seine „Sakrileg“-Thesen – und vor allem: wilde Spekulation.

Alles in allem ist „Origin“ in jeglicher Hinsicht der wohl schwächste Teil der Langdon-Reihe und fällt auch gegenüber einem „Vor-Langdon-Werk“ wie „Diabolus“ (1998) deutlich ab. Zu viel ist ungar, zu viel variiert lediglich die Vorgänger, zu viel langweiliges Strickmuster ist erkennbar. Ein flüssig lesbares Werk ist es dennoch geworden. Die Hörbuchfassung von Lübbe Audio ist durch kurze Zwischenmelodien etwas abwechslungsreicher, doch Wolfgang Pampel (die Synchronstimme von Harrison Ford) vermag es auch nicht, da Spannung zu schaffen, wo das Skript sie schwerlich hergibt. Der englische Akzent, mit der er die künstliche Intelligenz „Winston“ darstellt, kann auf die Dauer sogar ziemlich nerven.

Dan Brown: Origin, Lübbe Audio, 461 Minuten, inszenierte und bearbeitete Fassung

Der Merkur verlost je ein Hörbuch und eine Buchausgabe (Bastei Lübbe, 668 Seiten) von Dan Browns „Origin“. Rufen Sie bis Sonntag, 19. November, 24 Uhr, Telefon (0 13 79) 3 71 21 09, an und nennen Sie das Kennwort „Origin“ („Oritschinn“).