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Erneute Trophäe für Kraftwerk
Bruno Mars räumt sechs Grammys ab

Der US-Sänger Bruno Mars präsentiert freudestrahlend seine sechs Grammys, die er für den Titel „24K Magic“ und das gleichnamige Album erhalten hat.
Der US-Sänger Bruno Mars präsentiert freudestrahlend seine sechs Grammys, die er für den Titel „24K Magic“ und das gleichnamige Album erhalten hat. FOTO: Charles Sykes / dpa
New York. Mit acht Nominierungen hatte Jay-Z als Grammy-Favorit gegolten. Aber dann steht Funk-Junge Bruno Mars mit dem breitesten Grinsen auf der Bühne und holt sechs Auszeichnungen. Die Düsseldorfer Elektro-Gruppe Kraftwerk gewinnt den großen Musikpreis bereits zum zweiten Mal.

Der R&B- und Funk-Sänger Bruno Mars hat mit seinem Team bei der Grammyverleihung ordentlich abgeräumt und ist gleich mit sechs der begehrten Trophäen ausgezeichnet worden. Mars gewann mit dem Titel „24K Magic“ und dem gleichnamigen Album unter anderem Preise für das beste Album, die beste Aufnahme und das beste Lied des Jahres. Rapper Kendrick Lamar nahm bei der Gala am Sonntag in New York fünf Grammys von sieben möglichen Grammys mit nach Hause, der achtfach nominierte Rapper Jay-Z ging überraschend leer aus.

Eine der begehrten Auszeichnungen ging auch nach Deutschland: Die Elektro-Veteranen Kraftwerk erhielten in der eher unbekannten Sparte Dance-/Electronic-Album einen Grammy für „3-D The Catalogue“. 2014 hatten Kraftwerk bereits einen Grammy für ihr Lebenswerk gewonnen. In den vergangenen Jahren gewannen in den weniger beachteten der inzwischen 84 Kategorien immer wieder deutsche Künstler, vor allem Musiker aus dem Klassik- und Opern-Bereich.

Mars stach neben Jay-Z unter anderem Childish Gambino mit dessen Titel „Redbone“ und den Megahit „Despacito“ von Luis Fonsi & Daddy Yankee mit Justin Bieber aus. Kendrick Lamar gewann unter anderem in den Kategorien für das beste Rap-Album und den besten Rap-Titel. Mit den großen Gewinnen von Mars in den Hauptkategorien stand die Show in diesem Jahr weniger im Zeichen des Hip-Hop als zunächst erwartet.



Die Show habe mal wieder übliche Pop-Muster bedient, kritisierte die „Los Angeles Times“. Anstatt etwa Lamars Album „Damn“ mit Kommentaren zu Rassismus, den Latino-Hit „Despacito“ oder Texte von Jay-Z zu würdigen, habe mit Mars ein rückwärts gewandter, jahrzehntealter Stil im Fokus gestanden. Ähnlich sei es in Vorjahren gelaufen, als die Britin Adele die mutigere Beyoncé ausstach, als Taylor Swift gegen Lamar gewann oder als Beyoncé gegen Beck verlor, schrieb die Zeitung.

Die dreineinhalbstündige, von James Corden moderierte Gala war gespickt mit hochkarätigen Auftritten: Neben Mars, Lamar und Gambino traten unter anderem Elton John, Sting, Pink, Rihanna, Lady Gaga, Kesha und SZA auf. Auch Demokratin Hillary Clinton war zu sehen, als sie neben Rapperin Cardi B, John Legend, Cher und Snoop Dogg in einem aufgezeichneten Sketch aus dem Enthüllungsbuch „Fire and Fury“ („Feuer und Zorn“) über US-Präsident Donald Trump vorlas.

Ein starkes Statement gegen US-Präsident Trump und dessen weltweit scharf kritisierte Äußerung über sogenannte „Drecksloch“-Länder leistete sich Logic, nachdem er „1-800-273-8255“ gerappt hatte: „An all die wunderschönen, mit Kultur, Vielfalt und Tausenden Jahren Geschichte gefüllten Länder, ihr seid keine Dreckslöcher“. Die im Englischen härtere Übersetzung („shithole“) wurde von den Veranstaltern zensiert. Lamar würdigte Jay-Z von der Bühne mit den Worten: „Jay als Präsident!“

Die sonst in Los Angeles heimische Verleihung fand dieses Jahr erstmals seit 15 Jahren wieder in New York statt. Mehrere Musiker trugen zur Gala eine weiße Rose am Revers oder in der Hand als Zeichen der Solidarität mit der „#TimesUp-Bewegung“ zum Kampf gegen sexuelle Übergriffe und männliche Dominanz. „Die Zeit der ungleichen Bezahlung, der Diskriminierung und Belästigung jeder Art und des Missbrauchs von Macht ist um“, sagte Musikerin und Schauspielerin Janelle Monáe in einem ergreifenden Statement.