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Serie Angespielt
Blutbad im Namen des Vaters

Die Natur von Hope County ist den Entwicklern ausgezeichnet gelungen.
Die Natur von Hope County ist den Entwicklern ausgezeichnet gelungen. FOTO: Ubisoft
Zweibrücken. „Far Cry 5“ punktet mit einer wunderschönen Spielwelt, in der aber leider zu stumpf rumgeballert wird. Von Jan Althoff

Im echten Leben gehört der US-Bundesstaat Montana wegen seiner Bodenschätze zu den sogenannten Treasure States. In Ubisofts Open World-Shooter „Far Cry 5“ ist die Hauptressource eine andere: Fanatiker. Heerscharen von ihnen beherrschen die berückend schön modellierte Spielwelt. Alle sind sie mit sehr guten Augen und Ohren gesegnet ( liegt wahrscheinlich an der vielen gesunden Bergluft) und befassen sich den lieben langen Tag über am liebsten damit, missliebige Zeitgenossen ins Jenseits zu befördern.

Verantwortlich dafür ist ein durchgeknallter Religionsführer, der sich „der Vater“ nennt und in einer abgelegenen Bergregion eine Art Staat im Staate aufgebaut hat. Gemeinsam mit seiner Familie. Was zu Beginn noch wie eine „normale“ Sekte US-amerikanischer Prägung scheint, entpuppt sich bereits nach kurzer Spielzeit als blutrünstiger Haufen. Da wird gefoltert, getötet, unter Drogen gesetzt, dass es nur so eine Art hat.

Alles sehr extrem und wohl nur dazu gemacht, um auch dem geistig langsamsten Spieler klar zu machen, dass er gegen das personifizierte Böse antritt und jeder Gegner die Kugeln/Pfeile/Messer, die in seine Richtung geschickt werden, verdient hat. Das System ist grundsätzlich aus Ubisoft-Titeln wie älteren „Far Cry“-Teilen oder „Ghost Recon: Wildlands“ bekannt – wurde aber für „Far Cry 5“ noch einmal gepimpt.



Folge davon ist, neben der allgemeinen Steigerung von Gewalt und verspritztem Blut, dass mittlerweile nicht nur die Antagonisten, sondern auch die auf Seite des Spielers stehenden NPC durch die Bank psychisch mittel bis schwer gestört sind und den Spieler häufig zu weiteren Bluttaten aufstacheln.

Der Spieler erobert nach und nach das fiktive Hope County zurück, in dem sich „der Vater“ alias Joseph Seed und seine Familie breit gemacht haben. Die Familienmitglieder dienen dabei in Ubisoft-bekannter Manier (wie zum Beispiel ausgefeilter in „Ghost Recon: Wildlands“ zu sehen) als Zwischengegner, bevor es dem Sektenführer an den Kragen geht. Eine aufgefeilte Auseinandersetzung mit dem Thema Sekten, Verschwörungstheorien und Gehirnwäsche braucht man dabei allerdings nicht zu erwarten,

So zweifelhaft sich „Far Cry 5“ im Bereich Story präsentiert, so tadellos kommt das Gameplay daher. Zumindest technisch. Hat man die Steuerung erst einmal verinnerlicht, ballert man sich flüssig und souverän durch die Spielwelt, erfreut sich an den vielen verschiedenen Waffen und überall herumstehenden Fortbewegungsmitteln vom Quad bis zum Flugzeug.

Auch ohne motorisierte Fahrhilfe ist „Far Cry 5“ sehr flott: Der vom Spieler gesteuerte Deputy Sheriff ist wieselflink, aber auch die Gegner und die Tierwelt (das Fell erlegter Vierbeiner kann bei Händlern verkauft werden) sind sehr fix unterwegs – nah an der Grenze zu unrealistisch hektisch.

Das Problem am Gameplay ist die auf Dauer fehlende Abwechslung. Eigentlich geht es vor der atemberaubend schönen Kulisse ständig nur darum, Menschen oder Tiere umzubringen. Gewalt gegen (Sekten-)Gegenstände wird auch gerne gesehen. Das kann man einem Spiel, das sich doch im Grunde als Shooter versteht, nicht per se vorwerfen; allerdings müsste die Action dann auf Dauer etwas vielfältiger sein. Einen Hauch Abwechslung bieten die so genannten Prepper-Verstecke: Die muss man erst einmal ausfindig machen und dann einen Weg zur Beute finden. Intellektuelle Überforderung muss dabei allerdings niemand fürchten. „Far Cry 5“ ist gnadenlos auf schnelle Action getrimmt. Darum ist auch das Team-Management nur marginal, fehlen Gadgets wie die aus „Ghost Recon: Wildlands“ bekannte Aufklärungsdrohne und andere Gadgets. Ausnahme: Ein Greifhaken, mit dem man sich – an dafür vorgesehenen Punkten – Steilhänge hochziehen kann.

Wer die vorherigen „Far Cry“-Teile mochte, wird sicherlich trotzdem seinen Spaß mit der neuesten Version haben. Auch Serien-Neulinge mit einem Faible für viel schnelle Action dürfen bedenkenlos zugreifen. Veteranen könnten auf den Gedanken kommen, dass auch die „Far Cry“-Reihe einen Neustart gebrauchen könnte, wie Ubisoft ihn zuletzt „Assassin’s Creed“ spendiert hat. Immerhin: Das Erklettern von Türmen oder anderen Hotspots zum Aufdecken der Karte haben die Entwickler hier wie dort aufgegeben. Besser spät als nie.

Wertung (Schulnote): ⇥2

Ein weiterer Screenshot aus Far Cry 5.
Ein weiterer Screenshot aus Far Cry 5. FOTO: Ubisoft