| 23:23 Uhr

Filmfestival
Berlinale: Diaz zeigt längsten Film, Gröning provoziert

Berlin. (dpa) Der philippinische Regisseur Lav Diaz liefert in diesem Jahr den längsten Beitrag zum Berlinale-Wettbewerb. Der in Schwarz-Weiß gedrehte Spielfilm „In Zeiten des Teufels“ ist mit knapp vier Stunden für Diaz‘ Verhältnisse sogar relativ kurz. Sein Epos „A Lullaby to the Sorrowful Mystery“, das auf der Berlinale 2016 den Alfred Bauer erhalten hat, ist nämlich acht Stunden lang gewesen.

(dpa) Der philippinische Regisseur Lav Diaz liefert in diesem Jahr den längsten Beitrag zum Berlinale-Wettbewerb. Der in Schwarz-Weiß gedrehte Spielfilm „In Zeiten des Teufels“ ist mit knapp vier Stunden für Diaz‘ Verhältnisse sogar relativ kurz. Sein Epos „A Lullaby to the Sorrowful Mystery“, das auf der Berlinale 2016 den Alfred Bauer erhalten hat, ist nämlich acht Stunden lang gewesen.

In oft surrealen Tableaus, geprägt von a capella gesungenen Dialogen, bleibt der Regisseur bei „In Zeiten des Teufels“ seinem Hauptthema treu: der Auseinandersetzung mit dem Terror der Marcos-Diktatur von den 1972 bis 1986.

Auf die Frage, warum er sich in seinen Filmen immer wieder mit der Vergangenheit seiner Heimat auseinandersetzt, erklärte Lav Diaz in Berlin: „Die Erinnerung muss man bewahren, um seine Wurzeln zu kennen. Widerstand braucht die Erinnerung. Das ist wichtig für den täglichen Überlebenskampf.“ Lav Diaz betonte: „Der Film ist getragen von der Liebe zu meinem Land – und von Rock ‚n‘ Roll.“



Gegen den von einigen Leuten gebrauchten Begriff „Anti-Musical“ setzte sich der Regisseur in Berlin zur Wehr: „Wir präsentieren Songs im Dialog, aber nicht wie in einem Broadway-Musical. Doch es ist kein „Anti-Musical“. Ich nenne es eine „Rockoper“.“

Für gespaltene Reaktionen hat derweil der deutsche Wettbewerbsbeitrag von Philip Gröning gesorgt. Mit drei Stunden ist dessen Film nicht wesentlich kürzer als Diaz’ Werk. Grönings Beitrag „Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot“ hat bei der ersten Vorführung für die Vertreter der internationalen Presse Unmut provoziert. Zahlreiche Medienvertreter verließen den Saal lange vor dem Ende des Films. Am Schluss gab es Beifall und Buh-Rufe.

Gröning, der als Regisseur, Autor, Produzent und Kameramann fungiert, spiegelt in oft quälend langen Einstellungen vor allem das Vergehen von Zeit. Viele philosophisch aufgeheizte Dialoge drehen sich darum. Das Geschehen zeigt dazu die inzestuöse Liebe des jugendlichen Zwillingspaares Elena und Robert. An einem heißen Sommerwochenende brechen sich deren Gefühle auf letztlich mörderische Weise Bahn.

„Jeder Film ist eine Skulptur in Zeit“, sagte Gröning. „Zeit unterscheidet den Menschen wesentlich von anderen Lebewesen. Darüber wollte ich nachdenken.“

(dpa)